Energie Cottbus : Cagdas Atan - Hart wie ein Pferd

Der neu verpflichtete türkische Verteidiger Cagdas Atan überzeugt bei Energie Cottbus vor allem durch seine Schussstärke.

Matthias Koch

FuchstalCagdas Atan steht auf der Dachterrasse mit einem großen Vorschlaghammer. Der neu verpflichtete Verteidiger des Fußball-Bundesligisten Energie Cottbus muss im Mannschaftshotel im Trainingslager am Tegernsee aber nicht dem Personal aushelfen. Der 28-Jährige erfüllt nur den Fotografen den Wunsch nach einem Motiv, das seine große Stärke symbolisieren soll: die Härte seines Schusses. Am Sonntagabend zeigt Atan dann, dass er Cottbus nicht nur symbolisch helfen kann. Beim 4:1-Sieg im Testspiel gegen den türkischen Erstligisten MKE Ankaragücü ist er an drei Toren beteiligt. Zunächst schießt er einen Freistoß zum 1:1 in den Torwinkel, nach der Pause erzielt er die Führung - erneut per Freistoß, diesmal aus 35 Metern Entfernung. Das 3:1 fällt durch einen Kopfball von Dusan Vasiljevic, den vorangegangenen Eckball hat Atan getreten.

Außerhalb des Rasens hinterlässt der zweifache türkische Nationalspieler einen sehr entspannten Eindruck. Auch wenn er bisher nur in der Türkei unter Vertrag stand: Von einem Kulturschock nach dem Wechsel will er nichts wissen. "Nur in den ersten beiden Wochen hatte ich Umstellungsprobleme. Die Mannschaft war aber sehr hilfsbereit, vor allem Stürmer Dennis Sörensen und Torhüter Gerhard Tremmel", sagt Atan, den Cottbus von Trabzonspor geholt hat. "Wenn ich in den nächsten Monaten Deutsch lerne, fühle ich mich sicher noch wohler." Die Bundesliga war und ist sein großer Traum. Deshalb hat er die Türkei verlassen und nach eigenen Worten auf viel Geld verzichtet. Energie Cottbus kannte er zumindest aus dem Fernsehen. "Ich habe die Siege meiner Mannschaft gegen Bayern München, Schalke 04 oder den Hamburger SV gesehen", sagt Atan. Bis auf Ervin Skela war ihm zuvor jedoch keiner seiner neuen Arbeitskollegen ein Begriff.

Durch das Lauftrainingslager in Altenburg, die ersten Testspiele und den aktuellen Aufenthalt in Bayern hat sich das natürlich geändert. Die selbst für Cottbuser Verhältnisse extrem anstrengende Vorbereitung unter Trainer Bojan Prasnikar macht Cagdas Atan angeblich nicht viel aus. "Auch in der Türkei wird sehr hart trainiert. Aber in der Bundesliga geht es professioneller zu", sagt er. "Merkwürdig fand ich am Anfang nur, dass man in Cottbus die Trainingsutensilien und Bälle selbst herumtragen muss. In der Türkei werden die Spieler mehr verwöhnt."

Sich selbst beschreibt Atan als Siegertypen mit großem Willen. Genau deswegen wollten ihn die Cottbuser verpflichten. "Er hat ein Schuss wie ein Pferd und ist sehr aggressiv", sagt Manager Steffen Heidrich. Atans Ziele für seine erste Bundesliga-Saison sind noch bescheiden. "Erstens will ich der Mannschaft mit meiner Leistung zum Klassenerhalt verhelfen", erklärt Atan, der die Rückennummer 35 in Anlehnung an das Autokennzeichen seiner Geburtsstadt Izmir trägt. "Zweitens will ich mich in Cottbus behaupten und möglichst viele Jahre in der Bundesliga spielen."

Steffen Heidrich jedenfalls ist schon ein großer Fan von ihm. Beim Wettschießen am Tegernsee mit Präsident Ulrich Lepsch versucht Heidrich, seinen neuen Gewaltschützen zu imitieren. "Jetzt kommt Cagdas Atan", ruft Heidrich und drischt den Ball aus 16 Metern in den linken oberen Torwinkel.

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