Sport : Energie Cottbus: Der Alleingang des Anwalts

Benedikt Voigt

Die Nachricht erreichte ihn am Autotelephon. Die Leitung war schlecht, doch sie reichte zumindest aus, um das Entscheidende zu verstehen: Energie Cottbus hat Einspruch gegen das Urteil gegen Christian Beeck einlegt. "Davon weiß ich nichts", wunderte sich Dieter Krein, "als ich den Klub verlassen habe, war noch nicht von Einspruch die Rede." Sein Unglauben ist verständlich, schließlich sollte er eigentlich Bescheid wissen über das, was beim Bundesligisten passiert. Dieter Krein ist immerhin Präsident von Energie Cottbus.

Die Verantwortlichen beim Tabellenletzten müssen sich vor dem heutigen Heimspiel gegen Werder Bremen mit einer kuriosen Angelegenheit auseinandersetzen. Ohne Präsident Dieter Krein und Manager Klaus Stabach zu unterrichten, hat der Anwalt des Energie-Verteidigers Christian Beeck Einspruch gegen das Urteil des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eingelegt. "Wir sind durch den Alleingang des Rechtsanwalts in eine blöde Situation geraten", gibt Klaus Stabach zu. Sein Präsident hatte eigentlich keinen Einspruch einlegen wollen. "Da kann man nichts gewinnen", glaubt Krein, "das Urteil ist schon ärgerlich genug." Christian Beeck war wegen einem Tritt gegen den Rostocker Victor Agali zu acht Spielen Sperre und 8000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Fernsehbilder hatten den Verteidiger überführt.

"Der Anwalt muss offensichtlich Chancen sehen, dass er etwas gewinnen kann", vermutet Krein. Der überraschte Präsident musste sich am Sonnabend informieren, was passiert ist. Krein kritisierte das Vorgehen von Rechtsanwalt Christoph Schickhardt. "Er ist unser Berater, er muss uns bei so etwas konsultieren." Der Anwalt ist bereits seit einigen Jahren für die Cottbuser tätig. Energie Cottbus ruft den Juristen immer dann an, wenn ein Fall vor dem Sportgericht ansteht. "Schickhardt ist ein erfahrener Mann", erklärt Krein, "er ist der Staranwalt im Fußball." Bereits vor einem Monat vertrat Schickhardt den Cottbuser Trainer Eduard Geyer.

Der Alleingang des Anwalts lässt die Strukturen beim Aufsteiger in die erste Bundesliga nicht gut aussehen. Es wirkt unprofessionell und peinlich, wenn die Verantwortlichen nicht über die Vorgänge im eigenen Verein Bescheid wissen. "Das kann man so sehen", gibt Krein zu. Der Präsident verspricht aber auch: "So etwas wird es in Zukunft nicht mehr geben."

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