Sport : Energie Cottbus: Erfolgreiches Versteckspiel

Benedikt Voigt

So viel Ehrlichkeit wollte Trainer Eduard Geyer nicht gut heißen. Andrzej Kobylanski hatte vor einer Fernsehkamera zugegeben, dass sein Treffer gegen den 1.FC Nürnberg eine Flanke werden sollte. "Hat er das wirklich gesagt?", erkundigte sich der Trainer von Energie Cottbus bei den Journalisten ungläubig. "Er muss sagen, ich habe den Ball absichtlich in die lange Ecke gezirkelt", forderte der Fußball-Lehrer. Nicht, dass Eduard Geyer seine Spieler zum Lügen erziehen will. Aber er findet: "Hier fängt das Selbstbewusstsein an."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Mehr Selbstbewusstsein ist nach dem 1:0 gegen den Aufsteiger Nürnberg bei den Spielern von Energie Cottbus auch dringend angebracht. Noch einmal dürfte so ein Versteckspiel auf einem Fußballplatz der Ersten Bundesliga nicht mit drei Punkten belohnt werden. "So tief wollten wir gar nicht stehen", sagte Geyer verwundert. Doch es hatte auch eine ungewohnte Konstellation gegeben. Zum ersten Mal seit dem Aufstieg in die Erste Liga ging Energie Cottbus gegen Nürnberg als Favorit ins Spiel. Damit kam die Mannschaft nicht zurecht. Cottbus hatte Glück, dass das Team von Trainer Klaus Augenthaler mit den vielen Freiräumen nichts anfangen konnte. "Der Druck auf uns war zu groß", analysierte Geyer, "das war ein neues psychologisches Moment."

In Sachen Psychologie wird der Trainer in den kommenden Tagen gefordert sein. Denn die Tabelle weist Cottbus vor den Sonntagsspielen (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet) auf Rang vier aus. Der vermeintliche Abstiegskandidat steht sogar vor dem FC Bayern München und Schalke 04. Der Trainer muss nun einigen Menschen beibringen, dass dieser Platz nicht dem Leistungsstand seines Teams entspricht. Bei den Journalisten fing er an und sagte: "Die Tabelle ist mir wurscht." Wie kam denn dieser vierte Platz zustande? 1:0 zu Hause gegen den Hamburger SV durch einen Elfmeter in der 90. Minute gewonnen, später genauso minimal den Aufsteiger Nürnberg bezwungen. Allerdings muss man Cottbus auch die Cleverness zusprechen, abwartend und dennoch erfolgreich zu spielen. Das hat das Team aus dem Abstiegskampf der vergangenen Saison gelernt.

In der vergangenen Woche einigte sich der Mannschaftsrat mit dem Verein über die Siegesprämien. Ob die Spieler dabei auch eine Uefa-Cup-Prämie aushandelten, ist nicht bekannt. Dem Trainer hätte es sicherlich gefallen: als ein Zeichen von Selbstbewusstsein.

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