Sport : Energie Cottbus - FC Bayern München: Ein Fall für den Würfelbecher

Karsten Doneck

Der Mann taugt zum Propheten. "Jeden Fehler werden sie bestrafen", hatte Eduard Geyer im Programmheft auf Seite fünf über den Gegner orakelt. Und wenn schon der Trainer des FC Energie Cottbus derart respektvoll redet, dann wollte ihn der FC Bayern München auch nicht unbedingt widerlegen. Der Deutsche Meister strafte im Schnellverfahren: Nach Patzern der Cottbuser Abwehr führten die Bayern schon nach drei Minuten im Cottbuser Stadion der Freundschaft mit 2:0. 87 Minuten später hieß der Endstand dann gar 3:0. Dabei hatten die Bayern mit ihrer Aufstellung hoch gepokert. Fast so hoch, wie Trainer Matthias Sammer von Borussia Dortmund jüngst im DFB-Pokal. Der hatte seine hochdotierten Asse in der Partie bei den Amateuren des VfL Wolfsburg zwecks Schonung auf der Bank sitzen lassen. Folge: eine 0:1-Blamage für die Borussia und der frühe Pokal-K.o..

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Der FC Bayern München lieferte in Cottbus eine Kopie der Dortmunder Risikobereitschaft. Allerdings mit einem völlig umgedrehten Ergebnis. Da setzte Trainer Ottmar Hitzfeld Spieler wie Giovane Elber, den bisher erfolgreichsten Torschützen der Bayern, Nico Kovac, Paulo Sergio, Ciriaco Sforza und Owen Hargreaves auf die Ersatzbank. Prominente Profis wie Carsten Jancker, Stefan Effenberg, Mehmet Scholl und Bixente Lizarazu tauchten erst gar nicht auf dem Spielberichtsbogen auf, zum Teil auch deshalb, weil sie sich gerade von langwierigen Verletzungen erholen.

Schaden richtete der freiwillige und unfreiwillige Verzicht auf derart große Namen nicht an. Angesprochen auf seine Wahl der ersten Elf für das Spiel in Cottbus, reagierte Ottmar Hitzfeld nachher mit der Gelassenheit, die nur Sieger ausstrahlen können: "Man weiß vorher doch nie, wie eine Aufstellung aufgeht. Zu jeder Aufstellung gehört auch Glück."

Vielleicht auch Gefühl. Und dann müssen auch noch die taktischen Notwendigkeiten in die Überlegungen einbezogen werden, die der Spielweise des jeweiligen Kontrahenten geschuldet sind. Alles passte beim FC Bayern. Die Cottbuser verfügen über eine Mannschaft, bei der sich Kampfkraft und Rennerei zu einer solide-rustikalen Spielweise vereinen. Bayern hielt dagegen. "Ich habe sehr viele laufstarke Spieler aufgestellt", sagte Hitzfeld. Pablo Thiam, Claudio Pizarro, Roque Santa Cruz, Michael Tarnat und Alexander Zickler waren von ihm als Marathon-Männer für Cottbus auserkoren worden.

Die Rechnung ging auf. Und die Bayern konnten sich noch über einen Nebeneffekt freuen: Für das nächste Spiel in der Champions League am Dienstag bei Spartak Moskau konnten einige wichtige Spieler ihre Kräfte schonen. Um die Aufstellung in Moskau muss sich Ottmar Hitzfeld ohnehin nicht sorgen. Es klang fast ein bisschen überheblich, als der Münchner Trainer nach dem glatten Sieg in Cottbus feststellte: "Wir haben so viele gute Spieler, da könnte ich auch würfeln, wen ich aufstelle."

Solche Reden dürfen halt nur erfolgreiche Trainer schwingen.

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