Energie Cottbus : Forsch und bockig

Energie Cottbus setzt zunehmend auf junge deutsche Spieler – das bringt Probleme mit sich.

Matthias Koch[Cottbus]

Etwas Positives fiel Claus-Dieter Wollitz dann doch noch ein. „Wir wussten, dass wir mit einem 4:3:3-System große Chancen haben, das Spiel zu gewinnen. Damit hat keiner gerechnet“, sagte der Trainer des Fußball-Zweitligisten FC Energie Cottbus nach der Freitagabendpartie gegen den 1. FC Kaiserslautern. Gereicht hat es trotzdem nicht für sein Team, das 1:2 (1:1) unterlag.

Während die Pfälzer als einziges Team der Zweiten Liga auch den neunten Spieltag ungeschlagen überstanden haben und Platz zwei hinter Spitzenreiter Arminia Bielefeld behaupteten, mussten sich die Cottbuser wieder in Zurückhaltung üben. Im fünften Heimspiel verloren sie trotz einer lange Zeit ausgeglichenen Partie schon zum dritten Mal. Zum fünften Mal in dieser Spielzeit verloren die Lausitzer nach eigener Führung.

Auch diesmal reichte das 1:0 des erstmals von Beginn an spielenden Kameruners Leonard Kweuke nicht. Zwischen der Nachspielzeit der ersten Hälfte und der 54. Minute drehten die Gäste durch Ivo Ilicevic und Dragan Paljic die zunächst vom FC Energie diktierte Begegnung. Die Stimmung bei den Cottbuser Fans unter den 12 670 Zuschauern schwenkte rasch um. „Aufwachen, Aufwachen“ und „Wir wollen euch kämpfen sehen“, tönte es von der Nordtribüne.

Die Spieler hatten kaum Erklärungen dafür, warum beispielsweise Marco Kurth und Emil Jula in der Offensive aussichtsreiche Chancen zum 2:0 ausließen. Ungeklärt blieb auch, weshalb die Cottbuser zusammen mit dem FSV Frankfurt (jeweils 18 Gegentore) in der Defensive so oft patzen. „Wir haben in der letzten Minute der ersten und in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit gepennt“, sagte Mittelfeldspieler Marc-André Kruska lapidar.

Die sportliche Leitung in Cottbus setzt auf die Rückkehr derzeit verletzter Akteure wie Jiayi Shao. „Dann wird sich der eine oder andere Spieler noch mehr auf der Bank oder der Tribüne wiederfinden. Jetzt ziehe ich das Ding gnadenlos durch“, sagte Trainer Wollitz. „Ich denke, dass der Verein das mehr denn je braucht. Ich weiß, dass der für mich positive Umbruch am Ende belohnt wird.“

Wem bei Energie bald nur noch eine Außenseiterrolle drohen könnte, war möglicherweise an den von Wollitz gegen Kaiserslautern vorgenommenen Auswechslungen abzulesen. Mit Marc Kurth, Sergiu Radu und Stanislav Angelov mussten drei Routiniers vorzeitig vom Platz. Eingewechselt wurden mit Sascha Dum, Clemens Fandrich und Nils Miatke drei Akteure, die für die neue Strategie in Cottbus stehen. Wollitz setzt im Gegensatz zu seinen Vorgängern vor allem auf junge Kicker mit deutschem Pass. Der Nachwuchs kann aber auch bockig sein. Alexander Bittroff, der unter Wollitz acht Mal in der Startformation stand, schlug in der vergangenen Woche eine vorzeitige Verlängerung seines bis 2010 laufenden Vertrages aus. Der 21-Jährige will Wollitz zufolge erst im April verhandeln. „Weil er sich damit beschäftigt, fehlen ihm jetzt einige Prozent an Leistung“, glaubt Wollitz. Dabei wolle sein Klub doch „einen Stil nach außen transportieren und eine relativ kurzfristige Entscheidung treffen“.

Aber auch ohne dieses Signal droht den Cottbusern demnächst ein weiteres Absacken in der Tabelle – sie spielen nun zweimal auswärts. Bei den Spitzenteams FC St. Pauli und Arminia Bielefeld.

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