Sport : Energie Cottbus: Glücklich ohne Villa

Manchmal werde ihm etwas schwindlig, gesteht Dieter Krein, Präsident des Bundesliga-Neulings Energie Cottbus. Mit einem Saisonetat von 30 Millionen Mark hatte es der Diplomingenieur für Maschinenbau aus Leipzig noch nie zu tun, seit er 1989 zu den Lausitzer Fußballern stieß. "Das sind Dimensionen, von denen man früher nicht einmal zu träumen wagte", erklärt der 59-Jährige.

Trotz Rekordetat und einem halben Jahr in der höchsten Fußball-Klasse bleibt der Aufsteiger bodenständig. "Wir wollen unsere alten Grundätze behalten: vorsichtig, sparsam und bescheiden bleiben", sagt Krein, der selbst Fan des Rekordmeisters Bayern München ist.

Der Umgang mit großen Summen in einer der wirtschaftlich schwächsten Regionen Ostdeutschlands war für die Energie-Macher nach dem Aufstieg so neu wie das Millionengeschäft Bundesliga insgesamt. Von manch renommiertem Klub habe es anfangs Fragen nach der Beschreibung des Weges ins "Stadion der Freundschaft" nahe der polnischen Grenze gegeben, erinnert sich Krein. "Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass es 20 Kilometer außerhalb von Cottbus in Drewitz einen ehemaligen Militärflughafen gibt." Viele Teams kommen nun mit Chartermaschinen, und auch die Cottbuser nutzen die Möglichkeit bei Auswärtsspielen.

Die geografische Randlage macht den Cottbusern, die auf Platz 16 überwintern, zu schaffen. Die Stadt in der Lausitz ist vielen Fußballprofis zu weit weg, zu provinziell. "Direkt sagt uns das zwar kaum einer, aber wir merken das ständig, wenn Vertragsverhandlungen scheitern", berichtet der Präsident. Städte wie München, Köln oder Berlin locken die Spieler mehr.

Trainer Eduard Geyer und Manager Klaus Stabach bleibt in der Regel nur, auf osteuropäische Spieler und Kicker aus finanziell schwächeren Ligen zu bauen. Ergebnis: in der "Multikulti-Truppe" mit Akteuren aus 15 Ländern sind Starallüren kaum ausgeprägt. "Bei uns hören die Spieler noch auf das, was die Leitung sagt", lobt Krein.

Zum Beweis für die "größere Bodenhaftung" der Lausitzer Profis verweist der Einkaufsleiter eines Stromversorgers auf die Spielersiedlung in Sielow. In den Reihenhäuschen hat die Hälfte der Bundesliga-Kicker mit ihren Familien ein Zuhause gefunden. Hier feiern sie mit Nachbarn und deren Kindern Silvester. "Die Jungs brauchen keine große Villa. Sind beliebt und voll integriert", weiß Krein.

Um so bitterer stieß dem Energie-Boss Anfang Dezember auf, dass durch eine Attacke von Christian Beeck gegen den Nigerianer Victor Agali von Hansa Rostock sowie anschließenden verbalen Entgleisungen des Cottbuser Kapitäns das Image des Vereins arg beschädigt wurde. "Anschließend gab es eine Art Hetzjagd gegen uns. Das grenzte an pure Verleumdung", glaubt Krein. Er nennt neben dem Klassenerhalt für das Neue Jahr ein weiteres Ziel: "Wir wollen wieder ein sympathisches Image gewinnen, vor allem, indem wir ansehnlichen Fußball bieten."

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