Sport : Energie Cottbus: Korrekte Verhandlung, harte Strafe

Karsten Doneck

Die Begrüßung fiel recht jovial aus. Dieter Krein kam, warf einen kurzen, prüfenden Blick auf seinen Nebenmann und befingerte kurz dessen Jacke. Dann frotzelte er drauflos. "Na, neu das Kleidungsstück?", fragte er forsch und noch ehe der Angesprochene antwortete, fügte er schon, mit gewisser Scheinheiligkeit in der Stimme, hinzu: "Da wird das mit der Bezahlung der Strafe ja ziemlich schwer werden für Dich." Eduard Geyer, der Trainer des Fußball-Bundesligisten Energie Cottbus, lächelte etwas gequält über die Scherze des Vereinspräsidenten. Dass er wegen unsportlichen Verhaltens vom DFB-Sportgericht zu einer Geldstrafe in Höhe von 12 000 Mark verurteilt worden ist, findet beim FC Energie nämlich keiner richtig lustig - übrigens auch Dieter Krein nicht.

Eduard Geyer möchte mit dem Thema am liebsten gar nicht mehr konfrontiert werden. "Es war eine korrekte Verhandlung. Und es gibt eben klare Regeln, klare Bestimmungen - mehr ist dazu nicht zu sagen", erklärt der Energie-Trainer, sowohl Einsicht zeigend als auch genervt. Beim 1:2 in Unterhaching war er wegen Verlassens der Coaching-Zone und abfälliger Handbewegungen in der Schlussminute von Schiedsrichter Peter Gagelmann auf die Tribüne verbannt worden. Die "Lausitzer Rundschau" rechnete genau nach. Es sei dies bereits der siebente Bank-Verweis für Geyer, seit er im Profifußball arbeitet, berichtete die Zeitung. Insofern drohte Geyer als Wiederholungstäter sogar eine härtere Strafe. Er hätte auch für das Heimspiel heute (17.30 Uhr) gegen Hansa Rostock - oder für noch mehr Spiele - auf die Tribüne verbannt werden können.

Doch davon, dass letztlich ein mildes Urteil herauskam, will beim FC Energie niemand etwas wissen. "Man muss das mal so rechnen: 12 000 Mark Strafe - das entspricht ungefähr 25 000 Mark brutto. Das überlegt ja keiner. Da wird einfach vom DFB kühn so eine Summe ausgespuckt", stänkert Dieter Krein. Und einmal in Rage fährt der Präsident des FC Energie gleich fort mit einem dicken Rüffel für die Pfeifenmänner. "Für die Schiedsrichter ist es inzwischen doch wichtiger, dem Trainer aufs Maul zu schauen, als darauf zu achten, ob ein Spieler dem anderen das Schienbein kaputt tritt. Sollen die die Trainer doch rumhüpfen lassen wie die Graskranken."

Zwar wollen sich die Verantwortlichen der Cottbuser die strittige Szene im Unterhaching-Spiel, die Geyer für 60 Sekunden Restspielzeit den 12 000 Mark teuren Tribünenplatz bescherte, noch einmal genau auf Video anschauen, doch wird der Verein das Urteil des DFB keineswegs anfechten. "Das ist jetzt durch, da geht nichts mehr", meint Eduard Geyer. Und Krein nickt zustimmend.

Laut Informationen der "Bild-Zeitung" soll Geyer bei Cottbus ein Monatsgehalt von rund 14 000 Mark netto beziehen. Da bleibt, die DFB-Strafe mal abgezogen, in diesem Monat verdammt wenig übrig zum Kauf von Weihnachtsgeschenken. Es sei denn, der Klub subventioniert seinen Trainer. Dazu wollte Krein indes nichts sagen. Immerhin: Sich selbst hat Eduard Geyer ja schon beschenkt - mit einer neuen Jacke.

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