Sport : Energie Cottbus: Messdiener mit Teufelchen

Benedikt Voigt

Einer kam von hinten und umklammerte Eduard Geyer mit beiden Armen. Ein anderer klopfte ihm immer wieder auf die rechte Schulter, doch der Trainer von Energie Cottbus beachtete ihn gar nicht. Geyer war damit beschäftigt, die vielen Hände zu schütteln, die sich ihm entgegenstreckten. Es war wie bei einer Statue, von der jemand gesagt hat, dass man ihren Körper berühren muss, um Glück zu haben: Jeder wollte Geyer anfassen. Schiedsrichter Aust hatte das haptische Vergnügen für die Zuschauer auf der Haupttribüne ermöglicht, indem er den protestierenden Trainer zum richtigen Zeitpunkt vom Platz gewiesen hatte.

Der Trubel startete in der 90. Minute, als der Stürmer Sebastian Helbig mit seinem Tor zum 2:0 den Sieg von Energie Cottbus über Eintracht Frankfurt perfekt machte. "Jetzt sind wir in der Bundesliga angekommen", sagte Manager Klaus Stabach, "in den ersten drei Spielen waren wir noch zu Hause." Die ersten drei Bundesligapunkte in der Geschichte von Energie Cottbus hievten den Aufsteiger gleich auf Platz 15. "Wir wussten gar nicht, was es für ein Gefühl ist, in der Bundesliga zu gewinnen", sagte Verteidiger Ronny Thielemann. Seit Sonntag weiß er mehr: "Ein geiles Gefühl."

Den Cottbusern war es nur recht. Vor allem Sebastian Helbig wusste die Bühne zu nutzen, die ihm Eintracht Frankfurt so freundlich bereitet hatte. "Nach diesem Spiel kann der Trainer nicht mehr an mir vorbei", sagte der 23-Jährige glücklich. Das gleiche Selbstbewusstsein hatte Helbig zuvor schon auf dem Platz zur Schau gestellt. In den ersten beiden Spielen war der Torschütze nur eingewechselt worden, bei der Niederlage in Schalke (0:3) durfte er von Anfang an spielen. "Das war mein bestes Spiel für Cottbus", urteilte er. Sein letztes Tor hatte er im Dezember 1998 erzielt. Nun profitiert Helbig von der Angriffsmisere, die die drei Auftakt-Niederlagen offenbart hatten.

Und von Antun Labaks Temperament. Der kroatische Stürmer hatte sich im Training aus der Mannschaft geohrfeigt. Eduard Geyer sagte zwar, dass die angebliche Tätlichkeit an Jörg Scherbe nicht der Grund gewesen sei, dass er den Kroaten zunächst auf der Bank ließ. "Er brauchte einfach eine Pause." Labak sah das anders. Nach seiner Einwechslung und dem erlösenden Treffer zum 1:0 rannte er auf den Trainer zu, um ihm noch einmal zu demonstrieren, wer hier für die erlösende Führung verantwortlich war. Labak hätte für zukünftige Einsätze noch ein Argument mehr sammeln können, doch er vertändelte fahrlässig den Ball allein vor dem Tor. Warum er nicht getroffen hat? Antun Labak gibt die Schuld dem Trainer. "Wenn man nach zwei Spielen auf der Bank sitzt, fehlt einem das Selbstvertrauen."

Was sich von Helbig nicht behaupten lässt. Nach dem Abpfiff stand er lange gelöst vor der Umkleidekabine und sprach in die Mikrofone. Er schaut aus wie ein Messdiener, doch auf seinem rechten Oberarm hat er sich einen kleinen Teufel eintätowieren lassen. Zwischen zwei Interviews herzte er immer wieder seine Freundin und gab ihr einen Kuss. Später kam noch der Frankfurter Stürmer Thomas Reichenberger dazu. "Wir waren in Leverkusen befreundet", sagt Helbig. Reichenberger schenkte ihm sein Frankfurter Trikot. Sein eigenes hatte Helbig schon ausgezogen, die Brustwarzen hatte er mit einem Streifen abgeklebt. "Das Trikot schabt auf der Haut." Kein haptisches Vergnügen für Helbig? Damit war er an diesem Abend nun wirklich eine Ausnahme.

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