Sport : Energie Cottbus: Rauf und runter

Michael Rosentritt

Die große Zeit der "Übeltäter" ist vorbei. Die Kultband aus Cottbus hatte einst eine Hymne an den dort ansässigen Fußballclub Energie komponiert. Fast vier Jahr sind vergangen, seit der FC Energie im deutschen Pokalfinale stand, gegen Stuttgart verlor, aber wenigstens eine Duftnote im vereinten Deutschland setzte. "Energie, wir sind da wie noch nie", heißt es im Kehrreim. Der Hit verkaufte sich auch im vergangenen Jahr gut, als Energie in die 1. Bundesliga aufstieg. Zwölf Monate später steht der Neuling aus der Lausitz vor dem Abstieg.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Im heimischen Stadion der Freundschaft konnte manch denkwürdiger Sieg gefeiert werden, etwa das 1:0 über den FC Bayern oder das 4:1 über Schalke 04. Auswärts gelang den Cottbusern nur ein Sieg - in Leverkusen. Vergangenen Sonnabend verloren sie nun auch noch in Rostock. Zwei Spieltage vor Saisonende bleibt das Prinzip Hoffnung.

Träger der Hoffnung ist Eduard Geyer, der Trainer, 56 Jahre alt, Typ harter Hund. Der frühere Dresdner Spieler und Trainer führte Cottbus aus der Regionalliga hoch in die Bundesliga. Als er in Rostock vor die Presse setzte, kippelte sein Stuhl verdächtig. "Ist der angesägt", fragte Geyer in die Runde. Galgenhumor? Ihm aber geben sie in der Lausitz die wenigste Schuld, wenn es für den FC Energie nicht reichen sollte. "Was soll man noch machen, wenn ein Elfmeter nicht rein geht? Und wenn wir dreimal allein vor Pieckenhagen stehen und nur einmal an den Pfosten schießen? Das hat nichts mit Taktik zu tun - du musst das Ding über die Linie drücken", sagt Geyer. "Ich hoffe, dass das Glück noch mal zurückkehrt. Bei Helbigs Innenpfosten-Schuss gucken zu viele Spieler zu, statt zu riechen, nachzurennen."

Cottbus hat noch einmal Heimrecht gegen den Hamburger SV und muss dann zu 1860 München. "Wenn wir uns noch ein bisschen steigern, das Tor treffen, etwas Glück haben und die anderen einigermaßen mitspielen, können wir die Klasse halten", sagte Geyer.

Dieter Krein und Klaus Stabach hatte es in Rostock nicht mehr in ihren Sitzschalen gehalten. Der Präsident und der Manager waren runter ans Spielfeld geeilt. Sie wollten ihrem Team näher sein. Doch sie mussten mit ansehen, wie es erfolglos auf Hansas Tor stürmte. Beide hatten ihre Hände tief in ihren Hosentaschen ihrer grauen Anzüge vergraben. "So viel Blödheit kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen. Erst wird er von Rydlewicz beim Warmschießen überrascht und dann noch so ein Elfmeter", schimpfte Krein über seinen Torwart Piplica.

Am Ende des Tages sollte der Cottbuser Spieler Sebastian Helbig die Aussichten des FC Energie auf den Klassenerhalt einschätzen. Griffig formulierte er: "Beschissen, denke ich mal."

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