Energie Cottbus : Sanders letztes Endspiel

Cottbus’ Trainer Petrik Sander muss wohl gehen – er hat sich mit dem Präsidenten überworfen, nachdem er in der Sommerpause die gescheiterten Verhandlungen zu seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung öffentlich gemacht hatte.

Sandra Dassler

Cottbus„In der Ersten Liga ist jedes Spiel für uns ein Endspiel“ hat Petrik Sander seiner Mannschaft stets eingebleut. Das heutige Spiel gegen den VfL Wolfsburg könnte das ganz persönliche Endspiel des Trainers in Cottbus werden. Energie ist nach fünf Partien mit zwei Punkten Vorletzter, und seit Tagen lässt die Vereinsführung verkünden, dass man nur einen Sieg akzeptieren werde. Vom „Schicksalsspiel“ ist die Rede. In Cottbus selbst glauben freilich nur noch wenige, dass ein Sieg gegen Wolfsburg den Verbleib von Sander in der Lausitz auf Dauer sichern könnte.

Denn unabhängig von der schlechten Tabellensituation scheint ein Dialog zwischen dem eigenwilligen Trainer und seinem ebenso eigenwilligen Präsidenten Ulrich Lepsch nicht mehr möglich. Zu tief ist der Graben, nachdem Sander in der Sommerpause die gescheiterten Verhandlungen zu seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung öffentlich gemacht hatte und Lepsch sich dadurch vor den Fans im wahrsten Sinne des Wortes als Buhmann dargestellt sah. Und Sander musste plötzlich in Zeitungen lesen, dass er angeblich ein horrendes Gehalt gefordert habe.

Hinzu kam der Verkauf der beiden Torjäger Sergiu Radu und Vlad Munteanu an den VfL Wolfsburg. „Wir hätten den beiden nicht einmal die Hälfte dessen zahlen können, was ihnen Wolfsburg geboten hat“, sagt Energie-Sprecher Ronny Gersch. „Was für eine Motivation hätten sie dann hier noch gehabt?“ Natürlich wollte Sander seine Topspieler lieber behalten und die Fans waren vorbehaltlos auf seiner Seite: Im ersten Saisonspiel schallten Präsident Lepsch demonstrativ „Sander, Sander“-Rufe entgegen.

Doch wie das Duell zwischen den beiden Kontrahenten ausgehen wird, ist klar. Zu ungleich sind die Voraussetzungen: Auf der einen Seite der eloquente Lepsch, Chef der Sparkasse Spree-Neiße, dem wichtigsten Geldgeber in der Region. Ein Mann, an dem in den vergangenen Jahren keine größere Entscheidung in Cottbus vorbeigegangen ist. Einer, der schon bei der Entmachtung des alten Präsidiums und des Trainers Eduard Geyer im Hintergrund die Fäden zog – was, wie man heute weiß, nicht zum Nachteil des damals hoch verschuldeten Vereins war: Als Ulrich Lepsch Energie Cottbus im Mai 2005 übernahm, hatte der Klub 4,5 Millionen Euro Schulden, heute schreibt er schwarze Zahlen.

Auf der anderen Seite der erfolgreiche, aber etwas kantige Petrik Sander, der Energie 2005 vor dem Abstieg in die Regionalliga rettete, in der darauffolgenden Saison in die 1.Liga aufstieg und den Klassenerhalt schaffte. Allerdings hatte es auch schon in der vergangenen Saison kleinere Reibereien mit Lepsch gegeben – beispielsweise um den Einsatz von Torwart Tomislav Piplica oder Stürmer Francis Kioyo. An denen hielt Sander stoisch fest, zum Ärger von Lepsch. Aber damals überdeckte der Erfolg die Unstimmigkeiten.

Dass die Vereinsführung nun ständig von einem „spielerischen Fiasko“ spricht, ist ein deutliches Zeichen für ihr Vorhaben, sich von Sander zu trennen. Da nutzt es auch nichts, wenn ein Trainerkollege wie Armin Veh oder sogar Franz Beckenbauer sich öffentlich wundern, dass man Sander angesichts von zehn Neuzugängen nur so wenig Zeit einräumt.

Petrik Sander selbst hat sich auch in den vergangenen Tagen nicht zu den Gerüchten und Spekulationen um seine Person geäußert: „Ich konzentriere mich auf das Spiel und nichts anderes“, sagte er gestern. Retten wird ihn diese Loyalität nicht mehr. Bei einer Niederlage oder einem Unentschieden wird es eine Entscheidung geben. Und selbst wenn Energie heute gewinnt – das nächste Spiel ist in München. Die Fans hoffen nur noch darauf, dass für Petrik Sander ein Abgang mit Anstand möglich sein wird. Einer der Nachfolgekandidaten soll übrigens der frühere Hertha-Trainer Falko Götz sein.

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