Sport : Energie Cottbus-Schalke 04: Gehässigkeiten vor der Geyer-Show

Markus Hesselmann

Eduard Geyer ist angekommen. Im Kreis der erfolgreichen Fußball-Lehrer allemal, aber jetzt erst einmal bei der Pressekonferenz nach dem Sieg seiner Aufsteiger gegen den Tabellenführer. 4:1 (2:0) hat Energie Cottbus den Favoriten Schalke 04 geschlagen. Da lässt es sich gut konferieren. Trotzdem mussten die Gegner erst einmal auf Geyer warten. Trainer Huub Stevens und Manager Rudi Assauer nutzten die Zeit, um Artigkeiten ins Gästebuch des FC Energie einzutragen: "Gratulation an Cottbus". Gerade als Verlierer haben die Schalker hier etwas gutzumachen.

Denn zuletzt hatte der Cottbuser Trainer vergeblich auf die Schalker gewartet. Stevens hatte Geyer versetzt, in der vergangenen Saison, als seine Mannschaft im Pokal auch schon in der Lausitz verloren hatte. "Schalke ist ein großes Team und Huub Stevens ein großer Trainer", hatte Geyer, damals noch Zweitligatrainer, brav gesagt. Und dann noch durchblicken lassen, dass er solches Verhalten nicht gerade stilvoll findet. Jetzt ist Verlieren in Cottbus selbst für einen Tabellenführer nicht mehr so schlimm. Das ist den Bayern ja auch passiert. Da bleibt man professionell. Umarmung, Schulterklopfen, Wangentätscheln unter Männern.

Die Anerkennung tut Geyer gut. Denn gerade mit Schalke verbindet er mehr als diese beiden großen Siege. Der letzte Auswahltrainer der DDR bekommt nach der Wende erst einmal nur einen Job als Jugendtrainer auf Schalke unter dem "Sonnenkönig" und späteren Pleitier Günter Eichberg. Keine erfolgreiche Zeit für beide Seiten. Nach wenigen Monaten ist Geyer wieder weg. Auch Jobs bei Banyasz Siofok in Ungarn und bei Sachsen Leipzig bringen dem immer wieder mit Stasivorwürfen konfrontierten Trainer keinen Ruhm.

Der Mann will in die Bundesliga, das sagt er immer wieder. Und wenn ihn da oben keiner haben will, dann bastelt er sich halt selbst ein Bundesliga-Team. Der FC Energie ist dieses Team. "Hier lässt Geyer den früheren Ostblock wieder auferstehen", spottet das Fan-Magazin "Schalke Unser" mit Blick auf die Rumänen, Ungarn und Polen, die Geyer zu einer schlagkräftigen Truppe zusammengesetzt hat. Immerhin schwingt da noch Anerkennung mit. Weniger liebevoll kommt die Schlagzeile "Steht auf, wenn die Stasi kommt" über der ausführlichen Geyer-Würdigung in der letzten Ausgabe des Zentralorgans der Schalker Fans.

Doch solche Gehässigkeiten wirken billig angesichts der Geyer-Show, die ausgerechnet die Schalker am Wochenende mit inszeniert haben. Genüsslich spielt der Erfolgstrainer mit den Fußballreportern und ihren Fragen: Haben Sie beim 2:1 Angst gehabt, dass das Spiel noch kippt? "Als das 2:1 gefallen ist, habe ich an die Journalisten gedacht, die mich nachher fragen werden, ob ich da Angst bekommen habe." Welcher Spieler hat Ihnen besonders gefallen? "Ich muss meine Spieler nicht loben, dazu sind ihre Frauen da." Aber hat der Rudi Vata sich nicht als Libero jetzt wieder in die Mannschaft gespielt? "Ich kann doch jetzt noch nichts über die nächste Aufstellung sagen. Da kann so viel passieren ... Einer kriegt die Grippe. Oder die Oma bekommt einen Zahn." Huub Stevens nickt anerkennend zur Weisheit dieser Worte. Genau! Kapiert das doch mal, sagt sein Blick.

Dann geht Geyer. Vor dem Stadion sprechen ihn ein paar Fans an. "Jetzt müssen wir auch mal auswärts gewinnen!" Heute weiß der daheim so erfolgreiche und in fremden Stadien so sieglose Eduard Geyer selbst darauf eine Antwort: "Dann spielen wir halt nur noch zu Hause."

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