Sport : Energie Cottbus - Schalke 04: Mal auf, mal unter Schalke

Karsten Doneck

Die Elektronik meinte es gut mit den Gästen. Auf der Anzeigetafel im Cottbuser Stadion der Freundschaft waren während des Spiels nur ein paar Farbkleckse zu sehen. Sonst nichts. Dadurch blieb den Fußballprofis des FC Schalke 04 wenigstens optisch der Nachweis erspart, wie ihnen da Tor um Tor die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga entglitt. Am Ende hätte von der Anzeigetafel, so sie funktionstüchtig gewesen wäre, in schönen großen Leuchtziffern ein "4:1" in den Cottbuser Abendhimmel gestrahlt. 4:1 für den Aufsteiger FC Energie Cottbus, Schalke trat gedemütigt die Heimreise an. Und Rudi Aussauer, der Manager der ganz in weiß angetretenen Königsblauen, konnte gar nicht schnell genug die geliebten Zigarren rauchen, um seinen Ärger hinter blauem Dunst zu verbergen.

"Das kommt hart an, das verstehen wir", kommentierte Schalkes Trainer Huub Stevens mit düsterem Blick das für seine Mannschaft so bittere Resultat. Und der Verlust der Spitzenposition? Nicht "auf Schalke", sondern "unter Schalke" fand sich in der Tabelle eine Zeit lang der komplette Rest der Liga wieder. Diesen ehrenvollen Status büßte die Mannschaft in Cottbus ein. Doch das stellt kein Problem da, angeblich jedenfalls. Für die Fans sei die Tabellenführung sicher wichtig gewesen, für ihn selbst aber nicht, meinte Stevens. Schalke ist eben keine Traumfabrik, sondern ein den Fußball tretendes Unternehmen. In aller Bescheidenheit erklärt der Trainer: "Wir sind froh, jetzt schon 37 Punkte zu haben und wollen nach 34 Spieltagen unter den ersten Sechs sein." Das freilich schließt die Rückeroberung von Platz eins in absehbarer Zeit nicht aus.

Nur dazu sind andere Leistungen vonnöten als die in Cottbus. Ohne Spielmacher Andreas Möller, der wegen einer noch nicht vollends auskurierten Sehnenreizung im Knie gleich daheim geblieben war, fehlte Schalkes Aktionen ein vernünftiges Koordinatensystem. Der Wille war da, aber der auf Cottbuser Seite halt stärker. Die Zweikampfführung war gut, aber besser beim FC Energie. Schalkes Abwehr wurde zudem von dem ziemlich fahrig wirkenden Schlussmann Oliver Reck stark verunsichert. Vier Gegentore hat Schalke letztmals am 11. März 2000 kassiert - seinerzeit gegen den FC Bayern, ebenfalls mit 1:4.

Den 1500 Fans, die Schalke nach Cottbus begleitet hatten, bleibt beim Blick auf die Tabelle ein Trost, wenngleich ein schwacher. Borussia Dortmund, der Erzrivale, steht nach wie vor hinter Schalke - aber auch nur einen Punkt entfernt.

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