Sport : Energie Cottbus: Zu hoch rangegangen

Benedikt Voigt

Es gibt einen Augenblick im Leben des Klaus Stabach, an den sich der Manager von Energie Cottbus besonders gern erinnert. Nicht, dass der Sieg über den FC Bayern München vor drei Wochen nicht auch schön gewesen wäre. "Aber das war ein Teilerfolg, der einen im Gesamtergebnis nicht weiterbringt", sagt Stabach und spricht vom Klassenerhalt. Wenn aber das Gespräch auf den 7. Juli 1973 kommt, dann lehnt sich Stabach in seinem Sessel entspannt zurück und lacht. "Wir waren alle über den Zenit", erinnert sich der 60-Jährige, "aber wir sind in dieser Phase zusammengerückt." In dieser Phase bescherte ein 1:1 gegen Stralsund der damaligen "Betriebssportgemeinschaft" Energie Cottbus den Aufstieg in die Oberliga der DDR, der höchstmöglichen nationalen Liga. 13 000 Zuschauer feierten damals den Torschützen Klaus Stabach. Der einstige Aufstiegsheld erklärt: "Ich habe damals als Sportlehrer gearbeitet - für 415 Mark."

Allein dieser Betrag genügt eigentlich, um zu verdeutlichen, dass es sich damals um eine andere Zeit handelte. Energie Cottbus spielt inzwischen in der Fußball-Bundesliga, so auch heute beim VfL Wolfsburg (17.30 Uhr), und bei der Entlohung hat sich auch manches geändert. 8000 Mark sollen die Cottbuser Spieler für den wichtigen Erfolg am vergangenen Spieltag über den VfL Bochum erhalten haben. Eine um 2000 Mark erhöhte Siegprämie. Auch das Gehalt der Cottbuser Bundesligaprofis kann sich sehen lassen. Stabach sagt sogar: "Ich glaube, dass wir manchen Spieler überbezahlen."

Es war nämlich so im Sommer 2000. Energie Cottbus hatte die Qualifikation für die Erste Liga in der Tasche, und weil der Manager keine Ahnung hatte über das Gehaltsgefüge in der Ersten Liga, erkundigte er sich bei seinen Berufskollegen in der Bundesliga. Bei Manager Norbert Hartmann zum Beispiel von der SpVgg Unterhaching oder Klaus Hilpert vom VfL Bochum. Alles Vereine, die einen ähnlich hohen Etat haben wie Energie Cottbus mit 38 Millionen Mark. Die Antworten fielen nicht besonders befriedigend aus. "Die mauern doch auch alle." Inzwischen weiß Stabach: "Wir sind zu hoch rangegangen, wir hätten ruhig ein bisschen weniger zahlen können." Namen von Spielern, denen er seiner Meinung nach zu viel bezahlt, will der Manager nicht nennen. Aber womöglich war Ferenc Horvarth so einer. Der Stürmer kam vor der Saison für die Cottbuser Rekordablösesumme von einer Million Mark vom RC Genk, in dieser Woche verkaufte ihn der Klub für 800 000 Mark weiter an Maccabi Tel Aviv. Allerdings zeigte Manager Klaus Stabach bei den Vertragsabschlüssen in der Sommerpause auch Weitsicht: Alle Verträge gelten auch für die Zweite Liga.

Klaus Stabach ist Realist. "Langfristig wollen wir hier den Profifußball erhalten, egal ob in der Ersten oder der Zweiten Liga." Der Abstieg in die Zweite Liga würde ihn nicht aus dem Konzept bringen. "Ich habe den Abstieg mitgeplant." Zumal sich Stabach für Energie Cottbus sehr wohl eine Rolle zwischen den beiden Ligen vorstellen kann. "Wie Bochum, mal zwei, mal drei Jahre drinnen, dann wieder ein Jahr stabilisieren in der Zweiten Liga", erklärt der Mann, der in Cottbus die Geschäfte führt. Schöner sei natürlich die Erste Liga. "Aber es wird unheimlich schwer." Die Mannschaft von Trainer Eduard Geyer hat sich nach einem schwachen Start gefangen und drei Heimsiege erzielen können. Doch vor dem Spiel in Wolfsburg hat die Auswärtsschwäche Bestand. "Zu Hause sind wir 15 bis 20 Prozent stärker." Am Mittwoch setzte es sogar im Pokalspiel beim Zweitligisten SSV Ulm eine 0:2-Niederlage.

Die Situation als Aufsteiger in der höchsten Klasse kennt Klaus Stabach aus seinen aktiven Tagen. Vor 27 Jahren startete Energie Cottbus ebenfalls den Kampf gegen den Abstieg. "In der ersten Halbserie hatten wir nicht einen Heimsieg" erinnert sich der ehemalige Spieler der Betriebssportgemeinschaft Energie, "wir sind in der Oberliga durchgereicht worden." Stabach lacht. Wie gut, dass es sich damals um eine andere Zeit handelte.

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