Energie holt auf : Einheit Cottbus

Der FC Energie findet sein altes Zusammengehörigkeitsgefühl wieder. Der Grund des Erfolgs: „Wir sind eine Einheit“, sagt Torwart Gerhard Tremmel.

Karsten Doneck[Cottbus]
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Kraftvoll nach oben. Pavicevic (l.; gegen Bremens Almeida) gibt die Richtung vor.Foto: dpa

Gerade mal 80 Sekunden waren gespielt, da setzte Timo Rost schon mal ein Zeichen. Da, wo die Mittellinie des Spielfeldes an die Außenlinie grenzt, attackierte er ziemlich rüde Werder Bremens Spielgestalter Diego. Der Brasilianer musste anschließend erst einmal behandelt werden, Rost kam mit einer Ermahnung durch Schiedsrichter Marc Seemann relativ unbeschadet davon.

Die Aktion indes hatte Symbolkraft. Der Fußball-Bundesligist Energie Cottbus zeigt wieder Krallen, die Mannschaft praktiziert jetzt wieder jenen galligen Fußball, der gerade technisch beschlagenen Mannschaften die Lust an der Schönspielerei restlos verleiden kann. Am Sonnabendnachmittag bekamen im Stadion der Freundschaft die ohnehin in der Krise steckenden Bremer diese Cottbuser Wucht nachhaltig zu spüren. Der FC Energie siegte überraschend 2:1 (0:0). Sieben Punkte haben die Lausitzer damit aus ihren letzten drei Spielen geholt, auch die Reise zur nächsten Auswärtspartie beim VfL Bochum treten sie ganz gewiss nicht chancenlos an.

„Wir sind eine Einheit“, verrät Energies Torwart Gerhard Tremmel eines der Erfolgsgeheimnisse. Der Zusammenhalt der Cottbuser war in dieser Saison schon schweren Zerreißproben ausgesetzt. Immer wieder gab es intern kleine und größere Fehden. Da gerieten im Training und wohl auch anschließend in der Kabine Dimitar Rangelow und Ervin Skela mal so mächtig aneinander, dass sie zwecks Abkühlung der erhitzten Gemüter für das nächste Spiel suspendiert wurden. Igor Mitreski, in der Winterpause an Germinal Beerschot ausgeliehen, machte öffentlich Spielerkollegen und den Trainer madig. Die Bulgaren Rangelow und Stanislav Angelow ließen im Dezember über bulgarische Zeitungen ausrichten, dass sie Cottbus am liebsten sofort verlassen würden. Der FC Energie auf dem Weg zur Selbstzerfleischung?

Doch während der Winterpause bereinigten Manager Steffen Heidrich und Trainer Bojan Prasnikar die Konfliktsituationen. Mit Erfolg. Gerade Rangelow, der ehedem abwanderungswillige, kniete sich gegen Bremen mit großer Leidenschaft in seine Aufgabe, der Lohn war sein Siegtor in der 90. Minute, zugleich schon sein dritter Treffer in der Rückrunde. „Wir haben den richtigen Geist in der Mannschaft, und wir glauben an uns“, sagte Rangelow hinterher.

Für Prasnikar gibt es auch noch rein pragmatische Gründe für den Cottbuser Aufschwung. „Wir haben viel an unserem Spiel nach vorne gearbeitet“, sagt der Trainer. Der neue Stil geht einher mit einer beträchtlichen Erhöhung der Bewegungsintensität. „Bei uns laufen alle bis zur Erschöpfung, manche sogar ein bisschen mehr“, sagt Gerhard Tremmel. Der Energie-Torwart hielt in der Drangperiode der Bremer nach etwa einer Stunde souverän viele schwere Bälle, keineswegs immer mit spektakulären Paraden, eher dank seines überragenden Stellungsspiels. Da machte es dann am Ende auch nichts aus, dass die Spielstatistik den Cottbusern gerade mal 30 Prozent Ballbesitz bescheinigte.

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