Sport : Energie - Unterhaching: Bruder gegen Schwester

Benedikt Voigt

Am Donnerstag setzte sich Eduard Geyer vor seinen Computer und begann zu tippen: "Liebe Fans, die Bundesliga schaffen wir nur gemeinsam oder gar nicht ..." Der Trainer des Bundesligisten Energie Cottbus schrieb einen Offenen Brief an die eigenen Fans, um deren Unterstützung im Abstiegskampf zu erbitten. Ungewöhnlich.

Am Donnerstag zitierte eine Nachrichtenagentur den Trainer der SpVgg Unterhaching. Lorenz-Günther Köstner soll gesagt haben: "Unterhaching gehört nicht in die Erste Bundesliga. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir absteigen werden." Das stimmt. Aber darf ein Trainer so etwas über den eigenen Klub sagen? Ungewöhnlich.

Die Parallelen zwischen den beiden abstiegsgefährdeten Bundesligisten sind groß. Wenn heute um 15.30 Uhr Energie Cottbus die SpVgg Unterhaching im Stadion der Freundschaft empfängt, dann ist das ein Treffen von Verwandten. Wie Bruder gegen Schwester. Beide Vereine sind unerwartet in die Bundesliga aufgestiegen, beide Vereine hantieren mit einem Etat um die 35 Millionen Mark, und bei beiden Vereinen geht es einzig darum, den Abstieg in die Zweite Liga zu verhindern. Unterhaching ist das im vergangenen Jahr bereits einmal gelungen. Deshalb sagte Energies Präsident Dieter Krein schon vor der Saison: "Wir wollen das Unterhaching des Ostens sein."

Sollten in 20 Jahren ein paar Fußball-Verrückte auf die Idee kommen, abends in der Kneipe bei ein paar Bierchen die Bundesligateams aus der Saison 2000/2001 aufzustellen - niemand dürfte Energie Cottbus zusammenbekommen: Piplica, Vata, Hujdurovic, Matyus, Reghecampf, Latoundji ... Oder die SpVgg Unterhaching: Tremmel, Strehmel, Seifert, Grassow, Haber, Zimmermann und so weiter. Nein, in Cottbus treffen sich heute die unbekannten Spieler der Liga.

Was nicht heißen soll, dass das Treffen der Verwandten keine Bedeutung hat. Im Gegenteil, wer heute gewinnt, kann sich gesteigerte Hoffnung auf den Klassenerhalt machen. "Man kann von einem Abstiegs-Endspiel sprechen", sagt Geyer. Fünf Spieltage vor Saisonende steht Unterhaching mit 31 Punkten auf Platz 15, Cottbus befindet sich mit 30 Punkten auf dem ersten Abstiegsplatz. Beide Teams zählen zu den offensivschwächsten Mannschaften der Liga. Energie hat seit 228 Minuten kein Tor mehr erzielt. Es dürfte kein ansehnliches Spiel werden, sondern ein zähes Ringen um jeden Ball. Geyer hofft, dass die Fans dennoch kommen werden. In seinem Brief schreibt er: "Helft uns, dass Cottbus eine von 18 Bundesligastädten bleibt." 18 Bundesligastädte? Unterhaching ist eine Gemeinde mit 20 000 Einwohnern. Wenigstens ein Unterschied zu Cottbus.

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