Energie - Werder 2:1 : Mit Vollgas Richtung Mittelmaß

Werder Bremen verliert auch in Cottbus. Kurz vor Schluss fällt das 2:1 für den FC Energie.

Karsten Doneck[Cottbus]

Die Angst zu verlieren war allgegenwärtig. Sie drückte sich darin aus, dass Bojan Prasnikar nacheinander zwei offensive Spieler gegen zwei eher defensiv orientierte Kräfte austauschte. Zu stark war der Druck des SV Werder Bremen in der zweiten Hälfte geworden. Prasnikar, der Trainer des FC Energie Cottbus, schien sich eine Viertelstunde vor Schluss mit dem bis dahin erzielten 1:1 begnügen zu wollen. Nur: Seine Mannschaft dachte offenbar anders. Die Energie-Profis lauerten auch unter Bremer Druck auf ihre Konterchance. Und die bekamen sie. Die 90. Minute lief, als Dimitar Rangelow mit dem Ball am Fuß loszog und sein Schuss im Netz einschlug. Energie Cottbus nagelte mit diesem 2:1 (0:0)-Sieg Werder Bremen im Bundesliga-Mittelmaß fest und freut sich nun selbst über eine kleine, aber feine Serie: Seit drei Spielen sind die Lausitzer nun unbesiegt. Nicht viel, aber immerhin ein Lichtlein im harten Abstiegskampf.

„Wir haben mehr Glück gehabt“, sagte Energies Trainer Bojan Prasnikar, „aber wir haben uns mit Leistung und Kampf den Sieg auch verdient.“ Alles hätte aber auch für den Gegner ein gutes Ende nehmen können. Wenn die Norddeutschen mit ihrer Führung nicht so fahrlässig umgegangen wären. „Nach dem 1:0 haben wir vorübergehend aufgehört, den Gegner in Not zu bringen“, sagte Werders Trainer Thomas Schaaf.

Da hatte also kurz nach der Pause Hugo Almeida für die bis dahin recht harmlosen Gäste etwas überraschend das 1:0 geköpft. Doch der Vorsprung wurde schnell wieder preisgegeben. Der Cottbuser Ivica Iliev hatte sich nur vier Minuten später mit einem ungeahndeten Schubser gegen Clemens Fritz an der Außenlinie durchgesetzt, zog mit dem Ball Richtung Bremer Tor und schloss die Aktion mit einem Flachschuss zum 1:1 erfolgreich ab. Fortan drückte Werder, der Cottbuser Torwart Gerhard Tremmel stellte mehrfach seine Klasse unter Beweis.

Die Bremer hatten auf Claudio Pizarro, ihren mit elf Saisontreffern erfolgreichsten Torschützen, verzichtet. Grund: Nach einem privaten Aufenthalt in München hatte Pizarro das Abschlusstraining versäumt. Solche Disziplinverstöße kann sich ein Klub nicht leisten, der solche Krisensymptome zeigt. „Wir haben 27 Punkte – das ist zu wenig für uns“, stellte Thomas Schaaf grollend fest.

Werder hatte erstmals nach dessen Rotsperre immerhin wieder Diego dabei. Der Brasilianer sollte die Spielkultur der Bremer heben. Eine Aufgabe, die er eher mäßig erfüllte. Bremens Spielaufbau scheiterte immer wieder am Zerstörungswillen der konzentriert arbeitenden Cottbuser Abwehr. Und als die Bremer mit Fortdauer des Spiels den Druck verstärkten, steigerte sich Gerhard Tremmel mit jeder Szene und jeder Parade eben noch ein bisschen mehr.

Energies Trainer Prasnikar hatte seinen Spielern während der Winterpause eingebleut, mehr Laufarbeit zu verrichten, beim Umschalten von Abwehr auf Angriff mehr aufs Tempo zu drücken. Das klappte gegen Bremen gut, aber längst noch nicht optimal, weil die entscheidenden letzten Pässe oft so spät kamen, dass prompt der vorderste Cottbuser Spieler ins Abseits gelaufen war. Dennoch war Bojan Prasnikar verständlicherweise rundum glücklich. „Wir haben Mut und Willen gezeigt – trotz des schweren Schlages mit dem 0:1“, lobte er, Thomas Schaaf dagegen sagte nur: „Wir haben ein Spiel verloren, das man nicht verlieren darf.“

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