Sport : "Engagiert, fleißig und selbstkritisch"

Nach diesem unerwarteten Erfolg bei der EM: Wann wird denn endlich der Vertrag mit dem Bundestrainer Henrik Dettmann verlängert?



Das ist nur eine Formsache. Wir sind mit seiner Arbeit zufrieden. Er hat die vorgegebenen Ziele Europameisterschaft, Zwischenrunde und nun sogar Viertelfinale erreicht. Er ist sehr engagiert, fleißig und auch selbstkritisch. Für ihn ging es um die Chance, sich in Europa zu etablieren. Das hat er aus meiner Sicht geschafft.



Manche meinen gesehen zu haben, daß er hier beim Coaching den einen oder anderen Fehlgriff getan hat.



Fehlgriffe halte ich für ein zu starkes Wort. Bei einer solchen Europameisterschaft ist das Coaching ein sehr sensibles Thema. Man setzt Vertrauen in einen Spieler, und dieses Vertrauen wird von dem Spieler dann nicht erfüllt. Er hatte aber häufiger eine glückliche als eine unglückliche Hand.



Wie stehen die Verhandlungen mit dem Fernsehen? Der Vertrag mit ARD/ZDF läuft Ende dieses Jahres aus. Am Mittwoch soll die nächste Gesprächsrunde in München stattfinden.



Vor drei Monaten habe ich die Situation noch als äußerst deprimierend eingeschätzt. Inzwischen bin ich gedämpft optimistisch, daß wir einen adäquaten Vertrag hinbekommen. Immer mehr Sender entdecken den Sport. Ich erinnere nur an tm 3. Da werden Gesetze von Angebot und Nachfrage deutlicher sichtbar. Der Erfolg unserer Nationalmannschaft ist in diesem Zusammenhang extrem wichtig.



Stimmt es, daß Pro 7 der erste Kandidat ist?



Das bestätige ich nicht, dementiere es aber auch nicht. Wir verhandeln sowohl mit den Öffentlich/Rechtlichen als auch mit einem Privatsender. Im Privaten könnte ein aufwendig produziertes Magazin mit einem Bundesligaspiel der Woche stattfinden. ARD/ZDF könnten für die Fläche unser Partner bleiben. Ein Lokalderby, sagen wir, zwischen MTV Gießen und TV Lich bleibt eine typische Sache für HR 3, darauf will ich nicht gern verzichten.



Sie klingen sehr zuversichtlich.



Nehmen Sie nur mal die EM in Frankreich. Beim ersten Gespräch bestand kein Interesse bei ARD und ZDF. Canal plus hat ja die Rechte. Beim zweiten Gespräch hieß es schon: Mal sehen, vielleicht wenn die Deutschen ins Viertelfinale komen. Jetzt gab es aber im Fernsehen schon Ausschnitte der Zwischenrundenspiele. Die Nationalmannschaft ist sehr wichtig für Verhandlungen.



Bei der EM hier haben fast alle Nationen auch einen qualifizierten Trainer aus ihrem Land. Warum die Deutschen nicht?

Es fehlt uns eine ganze Trainer-Generation, das sind die Leute, die zwischen 35 und 55 Jahre alt sind. Es gab in den letzten 15 Jahren nur ganz wenige hauptamtliche Stellen für Basketball-Trainer in Deutschland. Darum wurde sich beruflich anders orientiert und teilweise neben dem Beruf eine Mannschaft trainiert. Das geht jetzt nicht mehr bei einer Mannschaft, die im Europapokal spielt. Bis die neue Generation oben, also in der Bundesliga, angekommen ist, das dauert eben eine Weile.



Das liegt aber nicht an der Verbreitung der Sportart.



Von der reinen Zahl der Spieler müßten wir viel besser dastehen. Am meisten haben die Franzosen mit 450 000, die Griechen mit 250 000, danach schon die Russen und wir mit je 200 000. Wir müssen da wesentlich mehr bringen. Das große Wachstum haben wir aber auch erst seit 1991, seitdem hat sich die Zahl der Aktiven verdoppelt. Bis das oben ankommt, vergeht viel Zeit. Da wird man schnell ungeduldig und unzufrieden. Ich sehe jetzt viele 16- bis 18jährige Spieler bei uns, die wissen, daß ihr Beruf einmal Basketball sein wird. Wir bekommen eine größere Breite und damit hoffentlich auch eine größere Spitze.



Hat der jüngste Lizenz-Hickhack in der Bundesliga dem DBB nicht geschadet, die Pleite in Bamberg, der Streit mit der Zweiten Liga?



Das war ein Beschädigungs-Hickhack über sechs Wochen, das hätte nicht passieren dürfen. Es gibt aber auch Positives. In Weißenfels wird eine Halle für 3500 Zuschauer gebaut, eine 9000er Halle in Braunschweig mit Hilfe von VW ist beschlossen. Der Bürgermeister von Bamberg hat im Rahmen der Rettungsaktion des TTL Bamberg fest zugesagt, daß eine 4500er Halle entsteht. Erst mußte offenbar der Druck da sein.



Sie sind ja nicht sehr groß - wie sind Sie eigentlich zum Basketball gekommen?



Also zunächst mal bin ich 1,76 m, das ging zu meiner Zeit noch für einen Spielmacher. Zwischen sechs und 14 Jahren war ich aber Ringer und einmal badischer Einzelmeister im griechisch/römischen Stil bis 25 kg (lacht - inzwischen ist Geggus eher von kräftiger Statur - Anm. d.Red). Mit 14 war ich als Leichtathlet Dritter bei den Kreismeisterschaften im Dreisprung mit 11,23 m. Mit Basketball habe ich als 13jähriger angefangen und war sogar im Kader der deutschen Junioren, allerdings dort dann chancenlos.

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