Sport : England - Deutschland: "England ist meine Welt"

Herr Ziege[wo Sie sp],kaum einer kann aussprechen[wo Sie sp]

Christian Ziege (29) kam über Hertha Zehlendorf, Bayern München und den AC Mailand in die englische Premier League zum FC Middlesbrough.



Herr Ziege, kaum einer kann aussprechen, wo Sie spielen. Helfen Sie uns doch mal.

Middlesbrough - ist doch ganz einfach.

Ansichtssache. Aber schön sollen Sie es haben da in England.

Das stimmt. Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl.

Warum eigentlich? Middlesbrough zählt nicht gerade zu den städtebaulichen Perlen unter Britanniens Himmel.

Die Menschen sind phantastisch. In England Fußball zu spielen, das ist meine Welt.

Warum eigentlich?

Hier ist der Fußball noch fair. Zwar auch hart, aber du weißt auf dem Feld, was passieren kann. Es gibt nur ganz selten hinterlistige Fouls.

Sie geraten ja fast ins Schwärmen. Haben Sie etwa schon München und Mailand, wo Sie vorher spielten, vergessen?

Wissen Sie, was mich in England am meisten beeindruckt hat? Wenn es für die eigene Mannschaft eng wird, wenn es irgendwie nicht läuft, dann stehen alle im Stadion auf und versuchen die Mannschaft anzuschieben. Bei uns in Deutschland würden die Zuschauer pfeifen.

Ihr Lob für die englischen Fans wird von Sicherheitsexperten nicht gerade geteilt. Am Sonnabend spielen Sie gegen England in Charleroi, die ganze Stadt ist im Ausnahmezustand. Beschäftigen sich die deutschen Spieler mit dieser Problematik?

Wir können doch nicht einfach sagen: Das geht uns nichts an. Ich hoffe nur, dass sich die deutschen und englischen Fans nicht zu oft über den Weg laufen. Ich habe schon Angst, dass da was Größeres passiert.

Aber gerade eben haben Sie uns doch noch erzählt, wie phantastisch die Menschen in englischen Stadien sind.

Wir müssen unterscheiden zwischen Fans und Hooligans. Die Fans sind super. Ich spiele jetzt ein Jahr in England und habe noch nichts Schlimmes erlebt.

Nicht mal einen Spruch?

Ja, Sprüche schon.

Eine Kostprobe, bitte.

Ganz harmlos: Geh nach Hause, Deutscher.

Was hatten Sie denn getan?

Bei einem Eckstoß lag der Ball nicht ganz innerhalb des kleinen Halbkreises.

Haben Sie wirklich nichts Besseres?

Doch, aber das gehört hier nicht hin.

Dann erzählen Sie uns doch was von David Beckham. Mit dem haben Sie sich ja schon ein paar seltsame Dinge geleistet.

Allerdings. Beim ersten Mal habe ich die Gelb-Rote Karte gesehen, beim zweiten Mal war er ganz nah dran, vom Platz zu fliegen. Dem Beckham haben sie in England mal vorgeworfen, dass er nicht wie ein Engländer spielt, weil er nicht richtig in den Mann, in den Gegner geht. Das hat er sich zu Herzen genommen. Zu sehr, für meinen Geschmack.

Wenn es am Sonnabend gegen England geht, werden sich Ihre Wege mit denen Beckhams kreuzen. Er spielt auf der rechten englischen Seite, Sie auf der linken deutschen. Freuen Sie sich schon?

Sicher. Die rechte Seite unserer Gruppengegner ist nicht gerade schlecht besetzt. Gegen Rumänien habe ich gegen Hagi gespielt, jetzt kommt Beckham, danach wartet dann der Portugiese Figo, der vielleicht augenblicklich beste Spieler Europas.

Da können Sie ja eigentlich nur schlecht aussehen, oder?

Ich kann, muss aber nicht.

Was macht Sie denn so optimistisch?

England hat den größeren Druck. Die haben doch vor der EM keine Gelegenheit ausgelassen, sich als Favorit zu bezeichnen. Und dann verlieren sie gleich das erste Spiel gegen Portugal. Gegen uns werden sie mit Sicherheit mit einem Höllentempo beginnen. Wir müssen sehr konzentriert sein und sofort gegenhalten.

Gegen die Engländer spricht, dass sie gegen Deutschland lange nicht mehr gewonnen haben. Kann Ihnen das denn noch helfen?

Die Engländer werden das natürlich nie zugeben, aber sie haben Respekt vor uns. Das ist in ihnen drin. Und sie können es einfach nicht abschütteln.

Dabei reden sie in England seit Wochen von den schwachen Deutschen. Der "Daily Telegraph" schrieb von der "schlechtesten deutschen Mannschaft seit Menschengedenken".

Lassen wir sie doch in ihrem Glauben. Sie werden schon Probleme kriegen, wenn es uns gelingt, sie mit ihren eigenen Mitteln zu bekämpfen. Sie haben keine Übermannschaft, das hat Portugal bewiesen.

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