England - Deutschland : LA – Wembley – LA

Es ist der erste Auftritt von David Beckham nach seinem Wechsel in die USA. Er fliegt lange und spielt wohl nur kurz.

Sven Goldmann[London]
Beckham
Der Weg zurück. Beckham will England im Spiel gegen Deutschland helfen. -Foto: AFP

David Beckham klettert als einer der ersten aus dem Mannschaftsbus. Es ist sein erster Auftritt in der Heimat seit seinem Wechsel nach Los Angeles. Das Haar ist ein wenig kürzer geschoren als zuletzt in Madrid, aber die 100 Fotografen interessieren sich nur für seine Beine. Was macht der linke Knöchel? Beckham geht ein paar Schritte Richtung Trainingsplatz, dreht um und verschwindet wieder im Bus. Zeit für Spekulationen. Kann er doch nicht spielen? Da kommt Beckham auch schon zurück, er dreht ein paar Runden und scherzt mit den Kollegen. Natürlich will er spielen, am Mittwochabend in Wembley gegen den alten Lieblingsfeind aus Deutschland.

Das ist so selbstverständlich nicht. Liverpools Kapitän Steven Gerrard etwa war am Sonntag der überragende Mann auf dem Platz beim 1:1 gegen Chelsea, aber am Mittwoch will er sich schonen für das nächste Ligaspiel gegen Tottenham. Owen Hargreaves' Debüt im Derby bei Manchester City ging über die komplette Zeit, doch Uniteds Trainer Alex Ferguson ließ ausrichten, der Zugang aus München müsse wegen Kniebeschwerden passen. Die am Sonntag beschäftigten Klubs bestanden darauf, ihre Spieler dürften nur leichtes Aufwärmtraining absolvieren. Also klagte Nationaltrainer Steve McClaren schon mal, ihm bleibe zur Vorbereitung gerade ein Tag.

Es steht zu vermuten, dass der 32 Jahre alte David Beckham nicht allzu viel hält von dieser jüngeren Profi-Generation. Zehn Stunden ist er am Sonntag von Los Angeles nach Heathrow geflogen, einen Tag später fährt er zum ersten Training nach Colney, ins Trainingszentrum des FC Arsenal. Der linke Knöchel ist bandagiert, ein Souvenir aus der Eingewöhnungsphase in Los Angeles. Beckham spricht von einer leichten Schwellung, „aber ich bin optimistisch, dass ich eine Rolle für England spielen kann, welche auch immer“. Wahrscheinlich nur für eine Halbzeit. Am Samstag ist er für Galaxy in New York zum ersten Mal über 90 Minuten gegangen, der Trainer habe alle paar Minuten gefragt, ob es nicht genug sei. Los Angeles verlor 4:5. Beckham bereitete drei Tore vor, New Yorks Kolumbianer Juan Pablo Angel schwärmte, jede Ballberührung Beckhams sei „ein kleines Zauberkunststück“ gewesen.

Steve McClaren hat lange nichts wissen wollen von Beckhams Kunst. Via Telefon setzte der neue Teammanager den alten Kapitän nach der WM über dessen Demission in Kenntnis. Der Start in die EM-Qualifikation aber geriet holprig, und als die englischen Blätter ein Comeback Beckhams forderten, gab McClaren nach. Im Juni gehörte er gegen Brasilien (1:1) und Estland (3:0) wieder zur Mannschaft und gab so selbstverständlich den Ton an, als sei er nie weg gewesen. Dann kam der Wechsel von Real Madrid nach Los Angeles, aber Beckham dachte gar nicht daran, sich aus dem internationalen Geschäft zurückzuziehen. Das Duell mit Deutschland ist sein 97. Länderspiel, er ist ehrgeizig und patriotisch genug, die 100 voll zu machen.

In Colney hält er sich am Montag zurück und absolviert nur ein paar Steigerungsläufe, bis er plötzlich abbricht und zurückläuft Richtung Bus, denn er hat Arsene Wenger am Spielfeldrand entdeckt. Zehn Minuten plaudert er mit Arsenals Trainer, wieder sind die 100 Objektive auf ihn gerichtet. Der Rest der Mannschaft trainiert unbehelligt weiter. Wenger lacht, Beckham lacht, dann spaziert er zur Massage in die Kabine. Es wird ein anstrengender Kurzbesuch in der Heimat, mit allen Konsequenzen. Schon am Donnerstag will er mit Galaxy gegen Chivas spielen. Ein paar Stunden nach dem Spiel in Wembley wird er schon wieder im Flugzeug sitzen. Zehn Stunden lang, von Heathrow nach Los Angeles.

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