Sport : England oder Italien – Hauptsache Nike

Wenn Miroslav Klose Bremen verlässt, wird er wohl zu einem Klub des US-Sportartikelherstellers gehen

Frank Hellmann

Berlin - Es war ein netter Empfang, den die türkische Hoteldirektion des Rixos Premium für die prominenten Gäste am vergangenen Sonntag parat hatte. „Wir steh’n für Werder ein … “, dröhnte es aus den Lautsprechern, als der überraschte Tross von Werder Bremen seine Nobelherberge fürs Trainingslager in Belek bezog. Die Werder-Hymne als Willkommensgruß, um Verbundenheit mit den Bremern zu demonstrieren. Solch klare Bekenntnisse zum Verein lassen dieser Tage einige Angestellte aus der Angriffsabteilung der Grün-Weißen vermissen: Mohamed Zidan ist mit einer Bronchitis in Bremen geblieben und nicht nur mit den Gedanken schon beim FSV Mainz 05. Ivan Klasnic kam angeblich wegen der Nachwirkungen einer Blinddarmoperation ebenfalls nicht mit in die Türkei, sein Weggang im Sommer gilt als sicher. Und dann ist da noch Miroslav Klose. Seit Monaten gibt es Spekulationen über den WM-Torschützenkönig und einen möglichen Wechsel schon diesen Sommer für eine Millionenablöse.

Selbst Klose, gestern wieder gefragter Gesprächspartner, nerven mittlerweile die nicht versiegenden Fragen. „Ich will das Thema schnell hinter mich bringen, um selbst planen zu können.“ Ob das im Januar, Februar oder März der Fall sein werde, wisse er aber nicht. Und so steckt auch Sportdirektor Klaus Allofs, der dieser Tage (vergebliches) Interesse an einer Rückkehr von Claudio Pizarro anmeldete, in der Zwickmühle. Zum Rückrundenstart am 28. Januar wird er die prominente Personalie nicht geklärt haben, auch wenn nach der Rückkehr aus der Türkei am kommenden Montag weitere Gespräche mit Kloses Berater und Freund Alexander Schütt anberaumt sind. Dessen Absichten sind seit längerem klar: Er will Klose mit Frau und Zwillingen zum Auszug aus dem neuen Haus in Bremen-Lesum und zum Aufbruch in die weite Welt bewegen. Klose selbst stellt immerhin Bedingungen. „Es muss eine Station sein, wo ich noch weiter voran kommen kann“, sagt der Torjäger.

Hartnäckig halten sich die Vermutungen, dass Manchester United der aussichtsreichste Kandidat ist. Dafür gibt es gleich mehrere Argumente: Das Sturmduo Wayne Rooney und Louis Saha befindet sich im Kräfte zehrenden Dauereinsatz, unterstützt lediglich vom fast 34 Jahre alten Ole Gunnar Solskjaer. Außerdem käme das offensive Spielsystem mit den Flankengebern Ryan Giggs und Cristiano Ronaldo einem vielseitigen Stürmertyp wie Klose entgegen.

Ein weiteres Argument ist, dass Klose seinen Exklusiv-Vertrag beim Sportartikelhersteller Nike bis mindestens 2010 verlängern wird. Statt 200 000 Euro jährlich wird er nun ein Vielfaches kassieren und Mitglied der weltweiten Werbekampagne sein, in der neben Ronaldinho auch Rooney eingebunden ist – denn auch Manchester steht bei Nike unter Vertrag. Ein Wechsel zu einem Klub eines anderen Ausrüsters wie Adidas (Bayern München, Chelsea) ist nun fast ausgeschlossen. „Wir beeinflussen keine Spielerwechsel, aber wenn er bei einem Nike-Verein spielt, wäre das umso besser“, heißt es aus der Nike-Zentrale Deutschland. Auch Juventus Turin, ebenfalls Nike-Kunde, buhlt noch um Klose, obgleich der defensive Spielstil in Italien dem Nationalstürmer am wenigsten entgegenkommen dürfte.

Noch immer hofft auch Werder (Ausrüster: Kappa) auf das Ja-Wort seines begehrtesten Angestellten. Die Hanseaten haben dem 28-Jährigen das beste Angebot der Vereinsgeschichte vorgelegt: vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2010, vier Millionen Euro Gehalt, vier Millionen Euro für die Vertragsunterzeichnung. Doch trotz dieser Summen mag sich Klose, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2008 läuft, nicht zum Bleiben bekennen. Trösten kann sich Werder im Falle eines Abgangs zumindest mit der Tatsache, dass Klose keinen direkten Konkurrenten in der Bundesliga verstärken wird. Auch wenn Bayern-Manager Uli Hoeneß („Wenn er Ja zu Bayern sagt, werden wir sofort aktiv“) noch lockt, ist ein Wechsel innerhalb Deutschland praktisch ausgeschlossen. „Miro geht nicht zu den Bayern“, sagt Klaus Allofs. Denn die Übereinkunft, die er mit dem Stürmer traf, habe sich ausschließlich auf einen Wechsel ins Ausland bezogen. Und so sagt Klose mittlerweile immerhin: „Wenn ich wechsle, dann kommen nur fünf Vereine in Frage.“ Und welche? „Für England, Spanien oder Italien bin ich offen.“

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