• England schwächelt in der Champions League: Der Mythos der Premier League bröckelt

England schwächelt in der Champions League : Der Mythos der Premier League bröckelt

Wie vor zwei Jahren sind alle Klubs der Premier League in der Champions League schon vor dem Viertelfinale ausgeschieden. In England wird nun überlegt, woran das liegen könnte.

Blick nach unten. Sergio Aguero ist mit Manchester City mal wieder viel zu früh in der Champions League gescheitert.
Blick nach unten. Sergio Aguero ist mit Manchester City mal wieder viel zu früh in der Champions League gescheitert.Foto: Reuters

Die reichste Liga der Welt ist beim Titel-Endspurt in Europas Fußball-Königsklasse nur noch Zuschauer. Nach dem Aus von Manchester City beim FC Barcelona findet die Auslosung des Champions-League-Viertelfinales am Freitag ohne Vertreter der englischen Premier League statt. Bereits zum zweiten Mal in drei Jahren fehlt damit ein englischer Klub in der Runde der besten Acht. Nicht einmal der Meister von der Insel ist gut genug, um mit der Konkurrenz vom Festland mitzuhalten.

Seit Jahren wirbt die Premier League damit, die stärkste Liga überhaupt zu sein. Zweifellos ist sie aber nur die Liga mit dem größten finanziellen Spielraum. Gerade haben die Verantwortlichen einen neuen TV-Vertrag abgeschlossen, der den Vereinen zwischen 2016 und 2019 mit knapp sieben Milliarden Euro einen neuen Rekord in die Kassen spült. Sportlich können die Klubs aber nicht mit den geschäftstüchtigen Liga-Bossen mithalten. Das gilt für die englischen Klubs genauso wie für das bei der WM im Vorjahr schon in der Gruppenphase gescheiterte Nationalteam.

Spanien steht mit drei Klubs im Viertelfinale - England ist gar nicht dabei

Vor ManCity waren bereits der FC Arsenal und der FC Chelsea aufgrund weniger erzielter Auswärtstore gegen den AS Monaco bzw. Paris St. Germain ausgeschieden. Trotzig forderte Gunners-Coach Arsène Wenger daraufhin die Abschaffung dieser Regel. Der FC Liverpool hatte zuvor nicht einmal die Gruppenphase überstanden. Die Zeiten, als die Premier League zwischen den Saisons 2006/07 und 2008/09 drei von vier Halbfinalisten stellte, sind lange vorbei.

Aus Spanien drang nach dem 0:1 von ManCity im Camp Nou nichts als Häme auf die Insel. „Spanien hat die meisten Klubs im Viertelfinale der Champions League. Spanien gegen England 3:0. Das dürfte auch die Frage beantworten, welche Liga die stärkste der Welt ist“, schrieb die Tageszeitung „El Mundo“. Das Sportblatt „As“ erklärte: „Die Premier League ist in vielerlei Hinsicht die beste Liga: bei der Organisation, bei den Anstoßzeiten, bei der Attraktivität für TV-Kanäle oder bei der Ausgeglichenheit der Vereine. Wenn es aber um den direkten fußballerischen Vergleich geht, ist die spanische Liga die stärkste.“ Verstärkt wurde dieser Eindruck dadurch, dass ManCity nur dank einer grandiosen Leistung von Keeper Joe Hart einer Blamage entging. „Die tolle Partie des FC Barcelona endet nur deshalb nicht mit einem Kantersieg, weil Joe Hart das Spiel seines Lebens darbot“, schrieb „Marca“.

Der Mythos der Premier League bröckelt. In England kam kaum eine Zeitung am Tag nach der Demütigung ohne eine entsprechende Analyse aus. Der „Telegraph“ nannte gleich „5 Möglichkeiten, um den englischen Fußball in Europa zu verbessern“. Ganz oben auf der Liste: die Einführung einer Winterpause.  Dafür sprach sich auch Ex-Nationalspieler Gary Lineker aus. Auf Twitter warnte er: „Die Premier League hat einen kritischen Punkt erreicht. Wenn schon keine Winterpause, dann wenigstens weniger Spiele über Weihnachten und keine Wiederholungsspiele im FA-Cup mehr.“ Kritiker halten ihm entgegen, eine Winterpause habe es auch zwischen 2006 und 2009 nicht gegeben. (dpa)

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