Sport : Englands Team sagt den Aufstand ab

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„Vielleicht werden heute Abend auch einige von uns nach Hause fahren müssen“, hat John Terry lachend gesagt, als ihn ein Reporter des französischen Fernsehens auf den Rauswurf seines Vereinskollegen Nicolas Anelkas bei der WM ansprach. Hinter dem kleinen Witz lugte eine große Drohung hervor: Man werde, versprach der Verteidiger vom FC Chelsea, Fabio Capello in der für Sonntagabend anberaumten Mannschaftssitzung „auf Dinge hinweisen, die unserer Meinung nach verändert werden müssen“.

Falls das den Italiener störe, sei ihm das egal, fügte Terry hinzu. Er spreche im Namen der Mannschaft, ließ der im Frühjahr nach einer Sexaffäre abgesetzte Kapitän noch ausrichten. Der großspurig angekündigte Aufstand wurde allerdings wieder abgeblasen, der vermeintliche Putschistenführer Terry sagte in der Mannschaftssitzung kein einziges Wort. Aufgeschreckte Mitglieder des Trainerstabs hatten ihn abgefangen und zum Schweigen bewegt, außerdem war sein Vorstoß bei den Kollegen keineswegs auf Gegenliebe gestoßen. „Ziemlich entsetzt“ hätten die Spieler die Pressekonferenz verfolgt, erzählte der Berater eines Nationalspielers, im Team wolle man keine Revolution und schon gar nicht Terry als selbsternannten Spielertrainer. Der 29-Jährige musste einsehen, dass er isoliert war und gab klein bei.

Die schonungslose Aussprache verkam so zum Monolog des Trainers, der die Defizite beim 0:0 gegen Algerien kulant im Ton, aber hart in der Sache anhand einer Videoanalyse veranschaulichte. Capellos Tick, erst zwei Stunden vor Anpfiff die Aufstellung bekannt zu geben, wird nur hinter vorgehaltener Hand stark kritisiert; zudem würden viele lieber Joe Cole statt Emile Heskey im Team sehen. Vor den Kameras plädiert auch Terry für seinen Kumpel. Man darf gespannt sein, ob das Capello auch so sieht. Raphael Honigstein

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