Entdecker Wensky : "Lisicki ist eine für die besten Fünf"

Der frühere Turnierdirektor der German Open, Eberhard Wensky, hat die Lisicki-Familie nach Berlin geholt. Im Interview spricht er über die Entdeckung von Sabine Lisicki, ihren Vater und ihre Mentalität.

André Wornowski
Faustdick. Sabine Lisicki bejubelt in Wimbledon ein großes Comeback.
Faustdick. Sabine Lisicki bejubelt in Wimbledon ein großes Comeback.Foto: AFP

Herr Wensky, Sabine Lisicki fiel nach ihrer schweren Verletzung 2009 bis auf Weltranglistenplatz 230 zurück. Kaum jemand hatte noch mit ihr gerechnet. Sie auch nicht?
Doch, natürlich. Denn sie besitzt eine hervorragende Psyche, das hat sie in dieser schwierigen Zeit erneut bewiesen. Zudem ist ihr spielerisches Potenzial riesig. Für mich ist sie eine Top-Ten-, vielleicht sogar eine Top-Fünf-Spielerin. Sie musste nur wieder Matchpraxis sammeln. Wie wichtig das ist, zeigt sich jetzt bei den Williams-Schwestern, die in Wimbledon ausgeschieden sind.

Wann haben Sie Lisicki das erste Mal spielen sehen?

Das war 2000, als sich ihr Vater Richard bei unserem Verein Rot-Weiß Berlin bewarb. Einige sagten damals, so wie Sabine könne man nicht Tennis spielen. Ich fand, man sollte es probieren. Die Voraussetzungen stimmten: Der Vater hat intensiv mit ihr gearbeitet, was mich an Steffi Graf und ihren Vater erinnerte. Die Lisickis haben dem Tennis alles untergeordnet. Und Sabine hat schon als Elfjährige gesagt: Ich will die Nummer eins der Welt werden, dabei traf sie die Bälle noch nicht einmal richtig.

Sabine Lisickis Weg in Wimbledon
Der große Schlag von Wimbledon. Sabine Lisicki ist die erste Deutsche, die in der Ära nach Steffi Graf die Vorschlussrunde eines Grand-Slam-Turniers erreicht hat. Wir zeichnen ihren Weg bis dahin in einer Bildergalerie nach.Weitere Bilder anzeigen
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Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Vater und Tochter beschreiben?

Die harmonieren auf und neben dem Platz perfekt. Das ist so wie bei den Grafs, die sich, anders als in der Presse dargestellt, immer gut verstanden haben. Das ist auch wichtig, denn der Vater gibt die Taktik vor und die Tochter muss ihm vertrauen. Alles, was Sabine kann, verdankt sie ihrem Vater, der Sportwissenschaftler und hervorragender Tennisanalytiker ist.

Wann hatten sie das erste Mal das Gefühl: Aus Lisicki wird eine große Spielerin?

Als sie 2004 in der Qualifikation für die German Open Gegnerinnen besiegte, die sich in der Weltrangliste um Platz 150 bewegten. Schon als 14-Jährige hat sie mit unseren Damenteam in der Regionalliga und später in der Bundesliga gespielt.

Was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Ihr Vater hat mit ihr immer trainiert, so wie die Williams-Schwestern zu spielen. Volle Power, immer an der Grundlinie, immer hohes Tempo. Ihre größte Stärke ist ihr Aufschlag; der hat Männerformat. Und zwar nicht nur von der Kraft, sondern auch von der Präzision her. Hinzu kommt ihre Mentalität. Immer wenn es nicht läuft, sagt sie sich: Jetzt erst recht. So wie am Dienstag gegen Marion Bartoli. Nachdem sie im zweiten Satz drei Matchbälle vergeben hatte, spielte sie im dritten plötzlich ihr bestes Tennis.

Wie sehen Sie ihre Chancen gegen die Favoritin Maria Scharapowa?

Das Match ist völlig offen. Scharapowa ist routinierter und hat beim letzten Aufeinandertreffen glatt gewonnen. Aber Sabine hat das Potenzial, gegen jede Spielerin der Welt zu gewinnen.

Die Fragen stellte André Wornowski. Eberhard Wensky, 71, war Turnierdirektor der German Open in Berlin und hat das Talent von Sabine Lisicki früh erkannt und gefördert. Für die German Open erteilte er ihre regelmäßig Wildcards.

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