Sport : Entendöner in Grunewald

Gewöhnlich und exklusiv zugleich: Wie die German Open in diesem Jahr versuchen, das eigene Überleben zu sichern

Benedikt Voigt

Berlin. Am Samstagmittag wurde erstmals im Restaurant „Grand Slam“ auf der Tennisanlage am Hundekehlesee ein Döner serviert. In Papier und Fladenbrot sah er aus wie jeder seiner Artgenossen aus Kreuzberg oder Wedding, doch das Fleisch qualifizierte diesen Döner auch für das Nobelviertel Grunewald. Es stammt von einer Ente.

Entendöner wird in diesem Jahr bei den am Montag startenden Ladies German Open in Berlin gereicht. Das macht durchaus Sinn, denn in diesem Jahr versucht das wichtigste Damentennisturnier des Deutschen Tennis Bundes (DTB), gleichzeitig gewöhnlich und exklusiv zu sein. „Wir haben das Turnier neu positioniert“, sagt DTB-Generalsekretär Reimund Schneider. Der Verband senkte einerseits die Eintrittspreise um bis zu 20 Prozent, um mehr Zuschauer anzulocken. Über 50000 sollen es in diesem Jahr werden. Im vergangenen Mai kamen insgesamt 44000 an den sieben Turniertagen. Andererseits hat der Verband den VIP-Bereich und die Edel-Gastronomie erheblich ausgeweitet. Es ist ein letzter Versuch, das Turnier über die 25. Ausgabe hinaus zu retten.

„Wir können es uns nicht leisten, mit unseren Turnieren Verlust zu machen“, hat DTB-Präsident von Waldenfels unlängst gesagt. Bereits im letzten Jahr jedoch hatte das Berliner Turnier ein Minus von 400000 Euro erwirtschaftet. Und damals hatte es noch einen Hauptsponsor. In diesem Jahr blieb die Suche nach einem Nachfolger erfolglos. Auch beim Fernsehen hat sich nichts geändert: Das Turnier wird auf dem Spartensender Eurosport übertragen, vom Finale sendet der RBB eine Aufzeichnung. Alle Hoffnungen ruhen nun auf Sponsorengesprächen, die während der kommenden Woche geführt werden und bei denen der Hauptsponsor für die nächsten Jahre gefunden werden muss. Mehr als ein Dutzend Gespräche, berichtet Schneider, sind in der kommenden Woche in den weißen Zelten hinter den Tennisplätzen anberaumt. Von jenen Terminen dürfte abhängen, ob es eine 26.Auflage des Tennisturniers geben wird.

Einige Wochen nach den aktuellen German Open wird dann im DTB über die Zukunft verhandelt. Der Generalsekretär sagt bereits jetzt: „Das wird den Entscheidungsträgern im DTB einiges abverlangen.“ Denn es ist mehr als unwahrscheinlich, dass das aktuelle Turnier keinen Verlust machen wird.

Dabei hat sich der Verband alle Mühe gegeben, das Berliner Turnier wirtschaftlicher zu machen. Der DTB, der nach dem Rückzug der Sportmarketinggesellschaft IMG die German Open erstmals selber vermarktet, hat einen täglichen Thementag etabliert. „Wir haben jede Position neu verhandelt“, sagt Schneider. Ein Betrag im hohen sechsstelligen Bereich sei eingespart worden. Im letzten Jahr hatte das Turnier einen Etat von drei Millionen Euro, in diesem Jahr dürfte er bei 2,3 Millionen Euro liegen. „Das größte Problem sind die Preisgelder“, sagt Schneider. Sie bilden den höchsten Ausgabeposten. In diesem Jahr werden die Spielerinnen insgesamt 1,3 Millionen Dollar verdienen.

Turnierdirektor Eberhard Wensky ficht die unsichere Situation nicht an. „Ich hoffe, dass die Diskussionen jetzt aufhören“, sagt Wensky, die German Open seien für die nächsten Jahre gesichert. Sportlich kann er wie gewohnt Positives verkünden. Von den besten zehn Tennisspielerinnen der Weltrangliste werden acht in Berlin antreten. Lediglich die Vorjahressiegerin Justine Henin-Hardenne musste wegen einer Viruserkrankung absagen. Auch Serena Williams fehlt verletzungsbedingt.

Als beim Pressebrunch am Samstag Wenskys Handy klingelt, sagt er: „Das könnte Serena Williams sein, die noch kommen will.“ Wahrscheinlich muss man als Verantwortlicher bei den German Open in diesen Tagen ein unverbesserlicher Optimist sein.

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