Sport : Entlarvte Mythen Neue Erkenntnisse rund um die WM 1954

Stefan Hermanns

Franz-Josef Brüggemeier scheint mit seinem Buch zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954 ein ehrgeiziges Ziel verfolgt zu haben. „Zurück auf dem Platz“ soll die ganze Geschichte erzählen: die Geschichte der deutschen Nachkriegsgesellschaft, die Geschichte der Bundesrepublik und natürlich die inzwischen hinlänglich bekannte Geschichte der WM. Das Wunder von Bern ist längst zum Mythos geworden, zur eigentlichen Geburtsstunde der Bundesrepublik überhöht, als Neubeginn des deutschen Nationalismus verteufelt worden.

Das große Verdienst Brüggemeiers ist, dass er diesen Mythen nachgegangen ist – und viele von ihnen als Mythen entlarvt hat. So würdigt der Historiker die modernen Ideen des Bundestrainers Sepp Herberger und den Stil seiner Mannschaft, die eben nicht nur durch Kraft und Wille erfolgreich war. Zur häufig kritisierten Rede des DFB-Präsidenten Peco Bauwens hat Brüggemeier neue Quellen gefunden, die die immer wieder kolportierte ultrarechte Gesinnung von Bauwens zumindest in Frage stellen. Und auch die Wiedergeburt des Nationalismus durch den WM-Titel bezweifelt Brüggemeier. Die Freude habe den Deutschen zumindest für einen Moment „neue Erfahrungen von Gemeinschaft ermöglicht, die über den traditionellen Nationalismus hinauswiesen“. Diese neuen Erkenntnisse sind die Stärke des Buchs, nicht die x-te Gesamtschau der WM im soziokulturellen und politischen Kontext.

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