Entlassung beim VfB Stuttgart : Kevin Großkreutz, mehr Fan als Profi

Nach einer nächtlichen Schlägerei trennt sich der VfB Stuttgart von Kevin Großkreutz. Die Leidenschaft und Identifikation hat dem Publikumsliebling nie gefehlt, die Professionalität schon. Ein Kommentar.

Unter Tränen äußerte sich Kevin Großkreutz zu seiner Entlassung in Stuttgart.
Unter Tränen äußerte sich Kevin Großkreutz zu seiner Entlassung in Stuttgart.Foto: Lino Mirgeler/dpa

Man kann Kevin Großkreutz vieles vorwerfen, Schauspielerei gehört nicht dazu. Es ist dem Weltmeister hoch anzurechnen, dass er zu seiner Entlassung beim VfB Stuttgart öffentlich Stellung bezogen hat. In der Nacht zu Dienstag war er mit mehreren Begleitern an einer Schlägerei beteiligt. „Ich lebe mit den Konsequenzen und entschuldige mich“, sagte er unter Tränen. Er habe sich immer mit dem Klub identifiziert und alles gegeben. Daran besteht kein Zweifel. Es ist eben diese Hingabe, die ihn in Dortmund und Stuttgart zum Publikumsliebling gemacht hat. Für die Fans ist er einer der ihren, weil er sich oft verhält wie sie und dabei auch mal Grenzen überschreitet.

Leidenschaft und Identifikation sind Großkreutz’ Stärken und wichtige Charaktereigenschaften eines Fußballers – aber nicht die einzigen. Die Zeiten, in denen es Vereine akzeptierten, wenn es ihre Spieler abseits des Sportplatzes mit der Professionalität nicht so genau nehmen, sind vorbei. Bundesligaspieler sind Hochleistungssportler mit Vorbildfunktion, die ihren Beruf 24 Stunden am Tag leben sollen. Das kann Großkreutz offenbar nicht. Was genau in der besagten Nacht passiert ist, bleibt im Ungefähren, und das ist auch in Ordnung. Großkreutz hat grobe Fehler gemacht, sonst hätte er die Trennung nicht anstandslos akzeptiert. Damit sollte die Geschichte für die Öffentlichkeit erledigt sein, denn auch Fußballer haben ein Recht auf Privatsphäre.

Ob Großkreutz eine Zukunft als Profi hat, ist fraglich. Er wolle „mit Fußball erst mal nichts zu tun haben“, sagte er. Zum Saisonende würde er aber gerne nach Stuttgart zurückkommen. „Ich hoffe, dass die Mannschaft aufsteigt und ich dann eingeladen werde und mit den Jungs feiern kann“, sagte der 28-Jährige. An der Aufrichtigkeit dieser Aussage besteht kein Zweifel. Denn die Identifikation eines Fans hat Kevin Großkreutz nie gefehlt, die Disziplin eines Fußballprofis leider schon.

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