Sport : Entlassung gespart

Union hat kein Geld und lässt Trainer Votava weiter werkeln

Karsten Doneck

Berlin. Es sei „ein Gespräch, wie wir es jede Woche führen“, sagte Bernd Hofmann vorab. Das klang beschwichtigend. Dass Fußball-Zweitligist 1. FC Union dann gestern das Ein-Stunden-Limit seiner Sitzungen um sechs Minuten überzog, hatte nichts Dramatisches. „Ich bin noch im Amt“, sagte Mirko Votava, der Trainer, nachdem er die Geschäftsstelle des Vereins in der Hämmerlingstraße verließ. Mit Präsident Heiner Bertram und Geschäftsführer Hofmann hatte er zuvor die wenig rosige Lage der Mannschaft in der Zweiten Liga erörtert, von einer Krisensitzung war die Rede gewesen: Union ist punktlos Letzter, hat alle bisherigen drei Saisonspiele verloren.

Dass der Trainer trotzdem nicht zur Debatte steht, hatte Bertram schon vor dem Vormittagstraining in einer kurzen Ansprache in der Kabine klargemacht. Er sagte: „Wir glauben nach wie vor, dass nicht nur die Spielerverpflichtungen die richtigen waren, sondern auch der Trainer der richtige ist.“ Dennoch musste dieser dem Präsidenten erklären, wie er mit der Mannschaft aus der misslichen Lage herauszukommen gedenke. Votavas Konzept schien den Präsidenten zufrieden zu stellen. „Wir müssen die Abstimmung in den einzelnen Mannschaftsteilen harmonisieren“, hatte Votava gesagt. Vieles, was vielleicht noch wichtiger ist, hat er wahrscheinlich verschwiegen. Zum Beispiel, dass ihm Unions Sparpolitik zu schaffen macht. Der Verein hat Mühe, das nötige Geld zur Finanzierung des 6,5 Millionen Euro umfassenden Etats zusammen zu kratzen. Der Kader wird daher klein gehalten, jetzt wurde auch noch Youssef El Akchaoui ablösefrei an ADO Den Haag nach Holland abgegeben.

Überdies wurden längst nicht alle Wünsche erfüllt, die der Trainer zur Zusammenstellung einer schlagkräftigen Elf gehabt hat. Im Gegenteil: Bei erfahrenen Kräften wie Holger Wehlage, Steffen Menze, Ronny Nikol, Hristo Koilow und anderen bestand wenig Aussicht auf Vertragsverlängerung, weil Union das Gehaltsvolumen des Kaders unbedingt senken musste.

Noch hat der 1. FC Union nicht gezeigt, dass er in der Zweiten Liga hoffnungslos unterlegen ist. Keines der drei Spiele ging mit mehr als einem Tor Unterschied verloren. „Wir hatten bis jetzt nur eine schlechte Halbzeit, und zwar die erste gegen Cottbus. Sonst hatten wir immer die Chance, auch zu gewinnen“, sagt Votava. Der Trainer will nun als erste Maßnahme wieder mit Libero spielen lassen, Michael Molata soll den Part übernehmen. Der Rückendeckung des Präsidiums kann er gewiss sein. „Er ist ein anständiger Kerl“, sagt Bertram. Und Hofmann ergänzt: „Nach dem dritten Spieltag spekuliere ich nicht über den Trainer.“ Und was wird nach dem vierten Spieltag sein? Falls Union wieder verlieren sollte? Darüber schweigen die Verantwortlichen. Am Sonntag empfängt Union die SpVgg Greuther Fürth.

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