Sport : Entlastung des Präsidenten Schmider eine Farce

Nach einer verbalen Schlammschlacht und einer chaotischen Abstimmung um die Entlastung hat Roland Schmider seinen Kopf als Präsident des Karlsruher SC gerade noch retten können. Bei der turbulenten Mitgliederversammlung des Fußball-Zweitligisten in der Badnerlandhalle wurde der 59-Jährige mehrfach aufgefordert, seinen Hut zu nehmen. "Dieser Antrag hätte laut Satzung vor acht Tagen schriftlich gestellt werden müssen", lautete Schmiders einzige Reaktion. Die Führungsriege gab vor den 400 Zuhörern ein ähnlich schwaches Bild ab wie zuletzt die Mannschaft als Tabellenletzter nach 16 sieglosen Spielen. "Jetzt wissen Sie, warum der KSC da unten steht", sprach ein Mitglied das passende Schlusswort ins Mikrofon.

Dabei standen nicht einmal Wahlen an, die Entlastung des Präsidiums entpuppte sich jedoch als Farce. Allein der Antrag auf geheime Abstimmung musste zwei Mal wiederholt werden. Nach langem Hin und Her wurde auf eine Abstimmung nach dem "Hammelsprung-Verfahren" verzichtet und das Führungsgremium mit etwa 60 Prozent der Stimmen entlastet.

In der Aussprache hatten die KSC-Anhänger zuvor ihrem Unmut Luft und Schmiders Riege für den Absturz des Uefa-Cup-Teilnehmers von 1997 mitverantwortlich gemacht. Der seit 26 Jahren amtierende Präsident wälzte die Verantwortung auf die zahlreichen Trainer, "denen wir die gewünschten Spieler ermöglicht haben", auf die Mannschaft und sogar auf den neuen Sportdirektor Guido Buchwald ab. Der Weltmeister von 1990, noch bis 2001 unter Vertrag, rechtfertigte sich in einer hilflosen Rede und sagte: "Ich bin bereit zu kämpfen und mit dem KSC in bessere Zeiten gehen."

Doch auch finanziell steht der "Karlsruher Sozial-Club" ("Badische Neueste Nachrichten") vor ungewisser Zukunft. Seit dem Bundesliga-Aus 1998 haben die Badener fast zehn Millionen Mark in den Sand gesetzt. Seitdem wurden 29 Spieler verpflichtet und mit Jörg Berger, Rainer Ulrich, Buchwald und jetzt Joachim Löw vier Trainer beschäftigt. Das Eigenkapital beträgt nur noch 189 000 Mark, die Verbindlichkeiten liegen bei 9,2 Millionen. Angesichts dessen verhandelt das Präsidium zurzeit mit Rechteverwertern wie die ISPR, Ufa und Kinowelt AG.

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