Entscheidend ist die Mitte : Taktikschule: Worauf es gegen England ankommt

Unser WM-Experte Mathias Klappenbach hat die englische Taktik analysiert und ist dabei zu dem Schluss gekommen: Im Mittelfeld liegen die Stärken des deutschen Gegners - aber auch seine Schwächen.

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Grafik: Tsp/Bartel
Grafik: Tsp/Bartel

Die aktuelle Form spricht erst einmal für England. Im dritten Gruppenspiel, dem 1:0 gegen Slowenien, scheint sich die Mannschaft von Trainer Fabio Capello nach einigen personellen und taktischen Versuchen gefunden zu haben. Das hatten die Deutschen schon vor ihrem 1:0 gegen Ghana, dennoch zeigten sie dabei ihre bisher schwächste Turnierleistung. Nun droht auch noch der Ausfall des Fixpunktes Bastian Schweinsteiger – dabei könnte sich gerade im zentralen Mittelfeld das Spiel entscheiden.

Es ist ein altes englisches Dauerthema, dass die bisher enttäuschenden Frank Lampard und Steven Gerrard (Foto) nicht gemeinsam in der Zentrale spielen können. Zu sehr wollen beide Spielmacher sein, weshalb keiner von ihnen die Vorstöße des anderen abdeckt und deshalb ein Loch hinter beiden entsteht. Der beim FC Liverpool überragende, aber im Nationalteam selten überzeugende Gerrard treibt sich deshalb derzeit auf der ungeliebten linken Seite herum, von wo er aber offensiv immer wieder in die Mitte drängt, genauer gesagt in die Lücke zwischen Philipp Lahm und den gegen Ghana sehr unsicheren Per Mertesacker.

Den Platz dafür verschafft ihm Wayne Rooney, der sich oft ins Mittelfeld fallen lässt und versucht, dabei einen Verteidiger aus der Abwehr zu ziehen. Auch Frank Lampard kommt durch die Mitte, hier kommt viel Arbeit auf die defensiven deutschen Mittelfeldspieler zu. Sollte Bastian Schweinsteiger doch noch ausfallen, könnte für ihn hier Toni Kroos zum Einsatz kommen. Der hat sich defensiv in dieser Saison verbessert, seine Stärken sind aber die große Ballsicherheit und seine guten Offensivpässe.

Mit ihnen könnte er Mesut Özil gefährlich in Szene setzen, da die Abstimmung zwischen Frank Lampard und Gareth Barry zwar besser ist als die mit Gerrard, aber nicht optimal. Mitunter rücken auch die beiden zu weit auf, so dass genau die Lücke entsteht, die Özil für ein Zuspiel oder den eigenen Torabschluss zu nutzen weiß. In den ersten beiden Spielen war gerade das Passspiel durch die Mitte eine große Stärke der Deutschen. Und auch in der Innenverteidigung haben die Engländer Abstimmungsprobleme.

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