Entscheidung in der World Series : Warum Baseball gar nicht langweilig ist

Chicago Cubs oder Cleveland Indians? In der Nacht zu Donnerstag fällt die Entscheidung in der World Series der Major League Baseball. Das ist spannender als mancher denkt.

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Nichts für Weicheier. Beim Baseball kann es auch schon mal krachen.
Nichts für Weicheier. Beim Baseball kann es auch schon mal krachen.Foto: AFP

Das Vorurteil hält sich hartnäckig: Baseball ist langweilig. Die Spieler stehen drei Stunden (oder mehr) nur beschäftigungslos auf dem Feld herum, kauen Kaugummi oder - noch ekliger - spucken Kautabak auf den Boden. Und zwischendurch fliegt dann vielleicht mal ein Ball durch die Gegend. Kann das aufregend oder gar spektakulär sein? Ist das überhaupt richtiger Sport?

Als Grundregel für jede scheinbar unverständliche Sportart gilt: du musst dich darauf einlassen. Also was macht Baseball so besonders? Es ist ein Mannschaftssport mit starker individueller Komponente. Statistiken werden nicht nur um ihrer selbst Willen geführt, sie haben tatsächlich eine zentrale Bedeutung. Im Mittelpunkt steht das in jedem Sport reizvolle Duell. Hier zwischen dem Pitcher und dem Schlagmann. Der eine versucht den Ball so zu werfen, dass ihn der andere mit seinem Schläger nicht oder nur unzureichend treffen kann. Die Chancen für den Pitcher stehen dabei nicht schlecht. Zumal er bei seinen Würfen über beachtliche Variationsmöglichkeiten verfügt. Es hat fast etwas Magisches, wenn der Ball zunächst geradeaus fliegt, um dann kurz vor dem Schlagmann nach unten zu fallen. Dass es schwer ist, den Ball zu treffen, macht das Spiel herausfordernd. Zumal auch noch Verteidiger im Feld stehen, die zuweilen Bälle fangen, die eigentlich nicht fangbar sind (siehe Video unten). Dazu kommt, dass Baseball nicht wirklich vorhersehbar ist. In der aktuellen World Series zwischen den Chicago Cubs und den Cleveland Indians gab es bisher die unterschiedlichsten Ergebnisse - 0:6, 5:1, 0:1, 2:7, 3:2 und 9:3. Obwohl es in einer Saison endlos viele Spiele gibt, gleicht dabei keines dem anderen.

Die taktische Komponente beim Baseball ist vielleicht der interessante Teil des Spiels. Es ist ein bisschen wie beim Elfmeterschießen im Fußball. Wohin und wie hart wirft der Pitcher den Ball als nächstes? Damit sind wir dann auch gleich bei der mentalen Ebene. Der Werfer steht unter ziemlichem Stress, eine falsche Entscheidung kann fatale Folgen haben. Gerade bei einem engen Spielstand in der Schlussphase. Die Spannung im Spiel steigert sich kontinuierlich und eine wirklich sichere Führung gibt es nicht.

Natürlich hilft es, die Regeln zu kennen. Aber das sollte in Zeiten des Internets kein Problem mehr sein. Ein paar Spiele reichen, um die Grundzüge zu verstehen. Natürlich ist Baseball nicht immer nur attraktiv. Die Spiele sind oft einfach zu lang, es wird gerade in der Schlussphase viel zu viel gewechselt - was stets mit einer Werbeunterbrechung verbunden ist. Und die Stimmung im Stadion kann schon mal eher an ein Picknick als an Sport erinnern.

Das alles trifft auf die World Series nicht zu, viel lauter ist es auch in deutschen Fußballstadien nicht als zuletzt in Chicago oder jetzt in Cleveland. In der Nacht auf Donnerstag fällt die Entscheidung, nach dem siebten Finalspiel wird feststehen, ob die Cubs nach 108 Jahren wieder eine Meisterschaft feiern können oder die Indians nach 68. Übrigens ist auch das ein Grund, warum Baseball interessanter ist als mancher denkt: es gibt endlos viele Geschichten aus jüngerer Vergangenheit und vermeintlich grauer Vorzeit. Neugierig? Dann heute Nacht einschalten beim 7. Spiel der World Series 2016, es geht dank Zeitverschiebung auch "schon" um 1 Uhr los. Und es wird garantiert nicht langweilig.

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