Sport : Entscheidung per Kopf

Schweden besiegt Paraguay kurz vor Schluss 1:0

Stefan Hermanns

Berlin - Am Ende sah fast das ganze Berliner Olympiastadion aus wie ein Rapsfeld, durch das ein heftiger Wind fegte. Die schwedischen Fans, es waren vielleicht 50 000, jubelten in ihren gelben Trikots mit hochgerissenen Armen. Sie freuten sich, dass ihre Mannschaft es nach dem 1:0 über Paraguay jetzt selbst in der Hand hat, sogar noch den Sieg in Gruppe B zu erreichen. Nachdem Paraguay bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften noch das Achtelfinale erreicht hatte, sind die Südamerikaner jetzt schon ausgeschieden.

Den Arbeitsauftrag für dieses Spiel gaben den beiden Mannschaften die Engländer. Die hatten schließlich zuvor gegen Trinidad & Tobago 2:0 gewonnen, sich fürs Achtelfinale qualifiziert und die Begegnung zwischen Schweden und Paraguay damit zu einem Endspiel um den zweiten Startplatz für das Hauptfeld gemacht. Beide Teams mussten gewinnen, um am letzten Spieltag der Gruppenphase eine gute Ausgangsposition zu haben. Dementsprechend engagiert führten sie das Spiel von Beginn an.

Die Schweden drängte es vor 72 000 Zuschauern schneller zur Führung, und sie versuchten es erst einmal mit Schüssen aus der Distanz. Mehr als 20 Meter wären Kim Källström beinahe nah genug fürs 1:0 gewesen, doch Torwart Bobadilla wehrte seinen wuchtigen Versuch gerade noch ab. Aus ähnlicher Entfernung verfehlte Christian Wilhelmsson nur wenige Minuten später das Ziel. Wenn man die Weltmeisterschaft auch als Technik- und Taktikmesse sieht, dann sind die Schweden damit auch als Vertreter des Messeschlagers aufgetreten. Schüsse aus der Distanz sind gerade groß in Mode.

Nach den ersten Versuchen aus der Ferne probierten es die Schweden dann mit schnellen Pässen in die Spitze. Vor allem Zlatan Ibrahimovic hätte daraus einiges machen können, doch er spielte wie ein Straßenfußballer. Mal versuchte er den Ball mit der Sohle weiterzuleiten, mal konnte er sich nicht zum richtigen Zeitpunkt vom Ball trennen. Nach der Pause kam Marcus Allbäck für ihn. Allbäck hatte auch nach einer knappen Stunde die bis dahin größte Gelegenheit, das erste Tor der Schweden bei dieser WM zu erzielen. Erst lupfte er den Ball über Torwart Bobadilla hinweg, kurz vor der Linie jedoch ließ er sich den Ball von Denis Caniza noch abnehmen.

Ihre optische Überlegenheit beflügelte die Schweden jedoch nicht zu einer großartigen spielerischen Leistung. Paraguay machte dagegen erst gar keine Anstalten, ein offensives Kombinationsspiel zu betreiben. Fast schien es, als sei ihnen ein Unentschieden genug, als rechneten sie fest mit einem Sieg am letzten Spieltag gegen Trinidad & Tobago und mit einer Niederlage der Schweden gegen England. Während Roque Santa Cruz vom FC Bayern München im Angriff enttäuschte, war Nelson Valdez von Werder Bremen der Lebensmittelpunkt des paraguayanischen Spiels. Es fehlte ihm jedoch die Unterstützung seiner Mitspieler, um wirklich effizient sein zu können.

Auch in der Schlussphase war der Fernschuss das beliebteste Mittel der beiden Mannschaften, um zum Erfolg zu kommen. Eine Ausnahme machte Allbäck, der zehn Minuten vor Schluss aus nächster Nähe mit dem Rücken zum Tor zum Schuss kam und nur am guten Torwart Bobadilla scheiterte. Noch wichtiger war Allbäck jedoch kurz vor Abpfiff als Vorbereiter. Er köpfte auf Fredrik Ljungberg, der den Ball wiederum selbst per Kopf im Tor unterbrachte und Schweden in einen Freudentaumel versetzte.

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