Sport : Entschlossenheit siegt

Die Eisbären gewinnen 4:1 gegen Düsseldorf

Claus Vetter

Berlin - Nur wenige Meter Abstand lagen zwischen den Arbeitsplätzen von Pierre Pagé und Don Jackson. Trotzdem konnten die Absichten der beiden befreundeten Eishockeytrainer gestern Abend im Sportforum nicht unterschiedlicher sein. Gewinnen wollten sie beide, allerdings mit unterschiedlichen Klubs: Eisbären-Trainer Pagé, der Jackson vergangene Saison als Kotrainer nach Berlin geholt hatte, und Jackson, der gesagt hatte, dass er ohne Pagés Hilfe bei der Jobsuche „jetzt nicht Cheftrainer in der Düsseldorf wäre“, und das bisher ganz erfolgreich. Die Düsseldorfer EG trat immerhin als Tabellenzweiter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in Berlin an, reiste allerdings nicht als Tabellenzweiter ab: Nach einem guten und temporeichen Spiel siegten die Eisbären vor 5000 Zuschauern 4:1 (2:1, 1:0, 1:0) und schoben sich auf den zweiten Tabellenrang vor, die DEG fiel auf Platz fünf zurück.

Pagé und Jackson haben sehr unterschiedliche Temperamente. Das war schon in ihrer gemeinsamen Zeit bei den Eisbären zu beobachten, gestern auch wieder. Während der US-Amerikaner Jackson die Taten seiner Mannschaft mit stoischer Ruhe von der Auswechselbank aus verfolgte, legte der Kanadier Pagé während des Spieles hinter seinen Spielern einige Meter Fußweg zurück und führte mit seinem Personal ein Einzelgespräch nach dem anderen. Anscheinend machte sich das bezahlt, denn die Eisbären wirkten entschlossener als die Düsseldorfer, was schon nach nur 82 Sekunden mit dem ersten Torerfolg belohnt wurde: Christoph Gawlik stocherte den Puck am unsicheren DEG-Torwart Alexander Jung vorbei, es war bereits der vierte Saisontreffer des erst 18 Jahre alten Berliner Stürmers.

Obwohl die Eisbären danach klar überlegen waren, mussten sie nach einem Distanzschuss von Alexander Sulzer den Ausgleich hinnehmen. Doch da war ja noch Alexander Jung. Der Torwart hatte schon in der Vorwoche beim Nations- Cup im Tor der Nationalmannschaft beim 1:2 gegen die Schweiz unfreiwillig bewiesen, dass ihm noch einiges zu einem guten Torwart fehlt, gestern war er nun der Unsicherheitsfaktor im Spiel der Düsseldorfer: Patrick Jarrett umspielte den Düsseldorfer Torwart gekonnt, und es stand 2:1 für die Eisbären. Es war Jarretts erster Treffer im fünften Spiel für seinen neuen Arbeitgeber. Und nach dem jungen kanadischen Talent, freute sich dann im zweiten Drittel auch noch ein erfahrener neuer Spieler im Kader der Berliner über seinen ersten Torerfolg in der DEL: Mit einem Schlagschuss traf Verteidiger Deron Quint zum 3:1.

Die mit nur zehn Stürmern angetretenen ersatzgeschwächten Düsseldorfer konnten danach nicht mehr die Kraft mobilisieren, die nötig gewesen wäre, um die souverän auftretenden Eisbären noch zu gefährden – auch wenn es Don Jackson nicht so sehen wollte. Der Düsseldorfer Trainer war im Schlussdrittel fast so engagiert wie sein Berliner Kollege Pagé hinter der Auswechselbank unterwegs. Es half aber nichts mehr: Derrick Walser gelang kurz vor Schluss noch das 4:1, und die Berliner kamen vor ihrem schweren Auswärtsspiel am Sonntag in Hannover zu einem verdienten Heimsieg.

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