Sport : Entsetzen und Wut in Italien

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Entsetzen und Fassungslosigkeit herrschte in Italien nach dem WM-Aus der Azzurri. Die anfängliche Stille schlug dabei schnell in Proteste gegen die Fifa, die Schiedsrichter und die Verbandsoberen um. Die italienischen Medien erhoben schwere Vorwürfe gegen die Unparteiischen. In den Abendnachrichten im staatlichen Fernsehsender RAI wurde sogar von „Schiedsrichtern der Schande“ gesprochen. In drei Spielen – gegen Kroatien, Mexiko und Südkorea – hätten sie die Azzurri klar benachteiligt. „Der 12. Mann für Südkorea“, meinte der Nachrichtensprecher. Die Leistungen der Südkoreaner erwähnten die Journalisten dagegen so gut wie mit keinem Wort. RAI berichtete in der Nachrichtensendung in den ersten 15 Minuten nur vom Scheitern der italienischen Elf. Mehrmals deuteten Journalisten dabei an, es könnte sich zum Schiebung gehandelt haben.

Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi rief sofort nach dem Aus Trainer Giovanni Trapattoni an und munterte ihn auf. „Es war das beste Spiel Italiens bei dieser Weltmeisterschaft“, übermittelte er Trapattoni und fügte hinzu: „Unsere Mannschaft hätte den Sieg verdient!“ Auch Senatspräsident Marcello Pera war enttäuscht und meinte: „Wir fühlen uns um den Sieg gebracht!" Verhaltener war der Kommentar von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, zugleich Präsident des AC Milan. Er meinte nur: „Es ist sehr schade.“ Dass ausgerechnet ein in Italien spielender Südkoreaner das Golden Goal erzielte, brachte den Trainer von AC Perugia, Serse Cosmi, auf die Palme: „Ich will Ahn in Perugia nicht sehen. Man muss ein Zeichen für den italienischen Fußball setzen.“ Viele Fans kritisierten jedoch auch, dass die Azzurri unter der Ägide des erfolgreichsten Trainers der Welt eine miserable Figur abgegeben haben.

In Rom kam es nach der Niederlage zu ersten Ausschreitungen. Wütende italienische Fans bewarfen in der Nähe des Hauptbahnhofs eine Gruppe von Südkoreanern, die den 2:1-Sieg ihrer Elf bejubelten, mit Wasserflaschen. Die Polizei musste eingreifen. Vincenzo Delle Donne

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