Sport : Entspannung jenseits der Gefahrenzone

Christoph Kieslich

Vor zehn Tagen hat das noch ganz anders ausgesehen. Da kehrte Volker Finke gerade vom Eröffnungsspiel des Afrika-Cups heim, und was Liberia und Mali beim müden 0:0 auf den Rasen im Stadion des 26. Mai gebracht hatten, durfte die Hoffnung nähren, dass der SC Freiburg seine beiden malischen Nationalspieler bald wieder für den Bundesliga-Alltag zur Verfügung haben würde. Nachdem jedoch Mali mit maßgeblicher Hilfe von Boubacar Diarra und Soumaila Coulibaly nun die Vorrunde ungeschlagen durchquert hat, können die beiden weder heute Nachmittag in Berlin noch am Dienstag gegen Wolfsburg für den SC Freiburg spielen. Und wenn Mali das Viertelfinale gegen Südafrika gewinnt, werden sie noch eine Woche länger fehlen.

Aber was den Freiburger Cheftrainer vor ein paar Tagen noch gesorgt hätte, findet er plötzlich einfach "wunderbar". Mittelfristig, vermutet Finke, "wird sich das auch für uns positiv auswirken, wenn die beiden mit einem Erfolgserlebnis beim Afrika-Cup nach Freiburg zurückkommen". Dass in Freiburg die eigene Situation mit einigermaßen Gelassenheit eingeschätzt wird, hängt natürlich mit dem geglückten Wiedereinstieg ins Punkterennen zusammen. Dazu steuerte der Verein selbst ein 2:0 gegen Nürnberg bei, und dahinter passte alles in die Zwischenbilanz, die nun sieben Punkte Abstand zur Gefahrenzone ausweist. Ein kommodes Polster - da kann Finke noch so sehr die "überhaupt noch nicht beruhigende" Tabellensituation beschwören.

Vielleicht vertraut er noch nicht endgültig auf die Stabilität einer Mannschaft, von der die Hälfte der Spieler in der Hinserie nicht zum Stamm gehörte. Junge Spieler wie Benjamin Kruse wickeln jetzt die anspruchsvolle, weil nicht abgesicherte Arbeit als Innenverteidiger ab oder drängen wie Stürmer Florian Bruns nach lang anhaltendem Formtief zurück ins Team. Da kann es sich Finke leisten, Oumar Kondé nach überwundenem Mittelfußbruch heute im Berliner Olympiastadion erst einmal auf die Bank zu setzen. Ibrahim Tanko und Adel Sellimi bleiben in Freiburg und kurieren ihre Malaisen aus. Ginge es sportlich enger zu, das deutete Finke an, wären beide nicht geschont worden.

Auch eine andere Rechnung, bei der vor der Winterpause öffentlich munter mitgezählt werden durfte, scheint aufzugehen. Sebastian Kehl lässt sich nun ein Millionengehalt von Borussia Dortmund zahlen, der SC Freiburg streicht gut drei Millionen Euro Ablöse ein. Finke hatte im kleinen Zirkel der Entscheidungsträger auf eine vorzeitige Trennung gedrängt - aus mannschaftshygienischen Gründen. "Es gibt kein mit oder ohne Kehl sind wir schlechter oder besser. Sebastian war eine Option in unserem Spiel", sagt Finke. "Es hat sich gelohnt mit ihm zusammenzuarbeiten. Er hat profitiert, wir haben profitiert." Und so wendet sich der Trainer seiner Aufgabe zu, "dass mit den vorhandenen Optionen eine möglichst gute Mannschaft auf dem Platz steht". Denn ein Sieg in Berlin fehlt in der Bundesligavita des SC Freiburg noch.

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