Enttäuschter Fechter : Limbach: "Ich bin ein Depp"

Säbelfechter Nicolas Limbach war Favorit für eine Goldmedaille – doch als es drauf ankam, zitterte ihm die Hand. Danach beschimpfte er sich selbst.

Friedhard Teuffel
Frust im Gesicht bei Nicolas Limbach. Er hatte sich so viel vorgenommen.
Frust im Gesicht bei Nicolas Limbach. Er hatte sich so viel vorgenommen.Foto: dpa

Nur zwei Ausgänge glaubte Nicolas Limbach in diesem olympischen Säbelfechten zu sehen. Das große, prunkvolle Tor im Falle des Sieges und die Hintertür, aus der er sich geschlagen hinausschleichen würde. „Entweder werde ich der Held oder der Idiot sein“, sagte er vorher, er reise schließlich als Weltranglistenerster an. Bei dieser Version blieb er auch nach seinem letzten Gefecht. Es war leider schon das Viertelfinale, in dem mit 12:15 am Russen Nikolaj Kowalew scheiterte. „Wahrscheinlich bin ich jetzt der Depp der Nation. Die Zeitungen werde ich am Montag bestimmt nicht aufschlagen“, schimpfte er.

Ein schönes Stückchen Ruhm lag vor ihm auf der Planche. Erster deutscher Olympiasieger mit dem Säbel. Und erster deutscher Medaillengewinner in London. Das hätte er beides werden können und dafür hatte er die beste Ausgangsposition am Sonntag. Da wäre viel Aufmerksamkeit auf ihn zugekommen, mehr jedenfalls, als hätte er in einer deutschen Medaillen-Rush-Hour zugeschlagen. So wurde jedoch daraus nichts.

7000 Zuschauer verfolgten die Kämpfe, die größte Fachmesse des Fechtens, auch Limbach wurde aus einem starken deutschen Block lautstark angefeuert. Seine Leistung war alles andere als blamabel. Zweimal lag Limbach im Viertelfinale zurück, 3:7 und 9:12, und glich beide Male noch einmal aus. Doch der Russe zog am Ende davon. „Ich hatte nie die Sicherheit, nie das Gefühl, einen Lauf zu haben. Die Enttäuschung ist groß, denn ich wollte Gold.“

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Wenn sich Limbach etwas vorwerfen will, dann eher sein Umgang mit der Niederlage. Dem Schiedsrichter klatschte er höhnisch Beifall und machte dazu noch eine Geste mit der Faust, die der Schiedsrichter nur als Beleidigung empfinden konnte. „Die Schiedsrichter haben einseitig entschieden, ich hatte ein, zwei Fehler drin. Es kommt eben alles zusammen. Aber ich wusste auch, dass mir die Medaille nicht einfach so hingelegt wird“, sagte Limbach, der 2009 den Weltmeistertitel gewonnen hatte.

Neben Limbach stand noch ein weiterer Deutscher im Viertelfinale, sein Vereinskollege aus Dormagen Max Hartung. Der musste sich dem späteren Olympiasieger Aron Szilagyi aus Ungarn 13:15 geschlagen geben. Und Benedikt Wagner hatte es immerhin bis ins Achtelfinale geschafft – und war dort auf Limbach getroffen. Der setzte sich souverän durch, doch eine Runde später war diese Selbstsicherheit etwas zusammengeschrumpft, ihm zitterte die Hand. „Vielleicht hätte ich ein wenig mehr Risiko gehen sollen. Aber wenn das nach hinten losgeht, sehe ich aus wie ein Idiot“, sagte Limbach.

Seine Enttäuschung war wohl auch deshalb so groß, weil er vier Jahre zuvor in Peking ein ähnliches Erlebnis zu verarbeiten hatte. Damals verlor er im Achtelfinale gegen den Weißrussen Alexander Bujkewitsch mit 14:15. „Vier Jahre Vorbereitung waren in zwei, zweieinhalb Stunden vorbei.“

Ganz ohne Medaille muss Limbach aber nicht unbedingt aus London nach Hause fahren. Am Freitag beginnt für Hartung, Wagner und ihn der Teamwettbewerb. Vielleicht hilft es Limbach dabei, dass er jetzt nicht mehr der Favorit ist.

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