Sport : Entwarnung im ICE

Dirk Nowitzki kann bei der Basketball-EM spielen, doch in Dallas wird Kritik laut

Benedikt Voigt

Von Benedikt Voigt

Berlin. Irgendwo zwischen Braunschweig und Berlin erhielt Mithat Demirel die gute Nachricht. Der deutsche Basketball-Nationalspieler saß nach dem Supercupspiel gegen Frankreich (68:76) im ICE und telefonierte mit Dirk Nowitzki. „Er sagte, er glaube nicht, dass er stärker verletzt ist.“ Eine Kernspintomografie später war endgültig klar: Der Star von den Dallas Mavericks hat im Spiel gegen Frankreich lediglich eine Bänderdehnung erlitten und wird bei der Europameisterschaft in Schweden (5. bis 14. September) spielen können.

Doch die Aufregung um die Verletzung des NBA-Spielers von den Dallas Mavericks war groß. „In den Medien ist ja schon der halbe Fuß amputiert worden“, sagt Nowitzkis Mentor Holger Geschwindner. Der Fernsehsender CNN eröffnete seine Sportnachrichten mit der Meldung über seine Verletzung. Die Berichte schürten die Aufregung bei den Dallas Mavericks. „Wir haben die Unterlagen über die Verletzung per Internet nach Dallas geschickt“, sagt Geschwindner, „jetzt ist wieder Ruhe.“ Doch ganz entspannt scheint sich die Situation in den USA noch nicht zu haben.

Der Besitzer der Mavericks, Mark Cuban, äußerte sich in der Zeitung „Dallas Morning News“ kritisch über den Einsatz von NBA-Spielern in Nationalteams. „Internationaler Wettbewerb ist ein profitorientiertes Business – ich verstehe nicht, warum wir als Liga unsere wertvollsten Spieler dafür hergeben.“ Das sei so, als würde Microsoft Bill Gates dafür bezahlen, dass er Werbung für Linux Software mache. Die Dallas Mavericks zahlen Nowitzki bis 2008 ein Gehalt von 90 Millionen Euro.

Die Sorgen in Dallas waren berechtigt. Nowitzki hat sich bereits mehrfach an dem betroffenen linken Knöchel verletzt. Der Deutsche Basketball-Bund musste eine Versicherung über 190 000 Dollar abschließen, damit Deutschlands berühmtester Basketballer eine Freigabe von den Mavericks bekam. „An diesem Fuß hängt der ganze Versicherungsfall“, sagt Geschwindner, „das ist der Fuß, der vor einem Jahr operiert wurde.“

Zunächst war über einen Bänderriss spekuliert worden. Doch die Untersuchung ergab, dass kein Band oder Knochen stärker beschädigt ist. Nowitzkis Einsatz bei der Europameisterschaft gilt als sicher. Der 25-Jährige trainiert bereits wieder mit Holger Geschwindner. „Wir machen unser ganz normales Programm“, erzählt sein persönlicher Trainer. „Er belastet halt nur den linken Fuß noch nicht richtig.“ Am kommenden Mittwoch wird Nowitzki wie alle anderen 13 Spieler wieder zur Nationalmannschaft stoßen. Dennoch ist ein Einsatz in den letzten beiden Testspielen am Freitag in Köln gegen Bosnien-Herzegowina und am Sonntag in Berlin gegen Italien fraglich. „Wir werden kein Risiko eingehen“, erklärt Geschwindner, „wir werden das von Tag zu Tag entscheiden.“ Ein Fehlen des Stars könnte bei einigen Zuschauern für Enttäuschung sorgen. Die Kölnarena und die Max-Schmeling-Halle sind nahezu ausverkauft.

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