Sport : Entwicklungshilfe für Japan

Zwei Wasserballspieler bilden sich bei den Wasserfreunden Spandau 04 fort

Lars Spannagel

Berlin - Yoshinori Shiota und Shoichi Sakamoto sehen ein wenig ratlos aus. Ihr Trainer Nebojsa Novoselac redet nach dem Training am Beckenrand gestikulierend auf sie ein. Die beiden japanischen Wasserballer von Spandau 04 hören aufmerksam zu, verstehen aber trotzdem nicht viel: Der Serbe Novoselac spricht Englisch mit der Mannschaft, Shiota kann eigentlich nur etwas Deutsch, Sakamoto nur Japanisch.

Trotzdem funktioniert die Entwicklungshilfe, die Spandau 04 für den japanischen Wasserball leistet. Der japanische Wasserballverband hatte im vergangenen Winter in Spandau angefragt, ob der Verein einen japanischen Spieler aufnehmen würde. In Japan fehlt es in der Randsportart Wasserball an einer starken Liga, weil der Sport hauptsächlich an den Universitäten gespielt wird. Darunter leidet die Nationalmanschaft, die bei der Weltmeisterschaft 2005 in Montreal nur den 14. Platz belegte. Als Ersten schickte der japanische Verband daher Nationalspieler Shiota nach seinem Studium zur Weiterbildung nach Deutschland.

Er ist seit Januar in Berlin, seitdem verbringt er seine Tage fast ausschließlich mit Sprachunterricht und Wasserball. Im Sommer erzählte er seinem Nationalmannschaftskollegen Sakamoto von Berlin: „Gutes Team, alle nett, nur ein Centerspieler hier.“ Seit einem Monat ist auch Center Sakamoto ein Spandauer. „Es ist gut für die beiden, in Europa zu spielen“, sagt Trainer Novoselac, „so können sie sich gegen die großen Vereine beweisen.“ Im Frühjahr war Shiota noch beeindruckt von den starken Spielern und dem harten Training in Berlin. „Ich konnte aber von Anfang an mithalten“, sagt der 24-jährige Außenspieler. Trotz der schwierigen Kommunikation machen beide Japaner Fortschritte, auch wenn ihr Trainer einige Grundlagen vermisst: „Wir müssen mit ihnen viel Technik trainieren, und Sakamotos Beine müssen kräftiger werden. Sie sind nicht unsere Topscorer, aber vollwertige Teammitglieder“, sagt der Trainer, „sie müssen sich allerdings noch ein bisschen einspielen.“ Am Sonntag treten sie mit den Wasserfreunden im ersten Bundesligaheimspiel gegen den SV Würzburg 05 an (12 Uhr, Schwimmhalle Schöneberg).

Im Training merkt man Sakamoto noch an, dass er neu im Team ist. Bei einer Konterübung muss er immer wieder hinterherschwimmen, beim Wurftraining klettert er brav aus dem Becken, um die Bälle wieder einzusammeln.

Die Kosten des Deutschlandaufenthalts teilt sich Spandau 04 mit dem japanischen Verband. Im Dezember sollen Shiota und Sakamoto bei der Asienmeisterschaft in Doha (Katar) für ihr Land spielen, bis jetzt ist aber noch nicht geklärt, wer den Flug dorthin bezahlt. Beim Deutschen Rekordmeister sollen Shiota und Sakamoto zunächst bis zum Saisonende spielen. Wenn es nach Yoshinori Shiota geht, auch gerne länger: „Wenn Spandau mich gebrauchen kann, möchte ich hier bleiben.“

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