Sport : „Er erinnert mich an Schumacher“

Rennmanager Weber über seinen Fahrer Hülkenberg

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Herr Weber, der zweimalige Formel-1- Weltmeister Emerson Fittipaldi hat Ihren Fahrer Nico Hülkenberg als „Jahrhunderttalent“ bezeichnet. Was sagen Sie denn dazu als jemand, der sich mit Jahrhunderttalenten auskennt?

Nach all dem, was Nico mir bisher gezeigt hat, kann ich sagen: Der Junge hat ein unglaubliches Talent und aus ihm kann mal ein ganz Großer werden. Im Moment überschlagen sie sich auch in England mit Lob, vor allem nach dem Rennen in Malaysia. Der legendäre Kommentator John Watson sagt, er habe selten jemanden gesehen, der im Nassen so fährt wie Nico. Er bezeichnet Nico als den absoluten Regenkönig.

In der Formel-1-ähnlichen Rennserie A1 Grand Prix hat Hülkenberg das Rennen in Malaysia am vergangenen Sonntag für Ihr Team unter monsunartigen Umständen mit mehr als 40 Sekunden Vorsprung gewonnen. Das erinnert an andere Klienten von Ihnen.

Ich wollte es nicht sagen, denn natürlich gibt es nur einen Michael Schumacher. Aber ich erkenne viele Parallelen. Dieser unglaubliche Speed im Grenzbereich zum Beispiel. Da war Nicos erster Test für mein A1GP-Team: Er hatte noch nie in dem Auto gesessen und kannte die Strecke in Silverstone nicht – und in der dritten Runde ist er die absolute Bestzeit gefahren, die niemand mehr erreicht hat.

Was kommt Ihnen noch bekannt vor?

Nico fährt mit Kopf, macht keine Fehler, und den Rest, den man braucht, hat er auch. Im technischen Bereich arbeitet er mit und poliert sogar mit den Mechanikern das Auto. Nun ist er gerade 19 geworden und muss natürlich in allen Bereichen noch lernen. Aber er hat eine unglaubliche Begabung und Willenskraft, er will alles wissen. Das sind so Sachen, die erinnern mich in der Tat unglaublich an Michael.

Eigentlich wollten Sie doch nach Michael Schumacher keine Piloten mehr managen. Wann kam der Sinneswandel?

Bei einem BMW-Junior-Rennen in Doha. Das hatte Nico gewonnen, wurde aber disqualifiziert, weil er hinter dem Pacecar angeblich zu stark gebremst hatte. Trotzdem war es ein Rennen vom Allerfeinsten und für mich Grund genug, ihn zu managen.

Haben Sie schon mit Michael Schumacher über Ihre Entdeckung geredet?

Nein, noch nicht, aber das werde ich sicher noch. Es war ja bei Michael mal die Rede davon, dass er sich in irgendeiner Form um den Nachwuchs kümmern will. Michael ist Nicos größtes Vorbild, und es würde mich natürlich riesig freuen, wenn er sich da als Mentor einbringen könnte oder wenn er mal Lust und Zeit findet, um zu Rennen zu kommen und mit ihm zu sprechen.

Wie sieht Ihre weitere Karriereplanung für Hülkenberg aus?

Wir haben für nächstes Jahr schon ein Team in der Formel-3-Euro-Serie fest gebucht. An diesem Wochenende hat Nico allerdings noch eine Testfahrt bei einem GP2-Team. Danach entscheiden wir, wie es weitergeht. Bei den richtig guten Teams in der GP2 sind natürlich schon alle Cockpits besetzt, aber vielleicht können wir ja irgendwas stricken.

Die GP2 fährt im Rahmenprogramm der Formel 1 und gilt als unmittelbares Sprungbrett. Haben nach den jüngsten Vorstellungen schon Formel-1-Teams angeklopft?

Ja, es gibt Interesse. Es gab auch schon Kontakte, ich möchte im Moment aber keine Namen nennen. Sie wissen ja, dass ich sämtliche Verbindungen in dieser Hinsicht habe – daran soll es nicht scheitern.

Wir werden ihn also in nicht allzu ferner Zukunft in einem Grand Prix sehen?

Sollte nichts Gravierendes passieren, ist Nico 2008 in der Formel 1.

– Das Gespräch führte Christian Hönicke.

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