Sport : Er fährt und fährt und …

Der Brasilianer Rubens Barrichello ist der neue Rekordhalter in Sachen Ausdauer in der Formel 1

Karin Sturm

Istanbul - Honda sprach schließlich ein Machtwort: „Für uns findet der Rekord in Istanbul statt.“ Unter Freunden der Statistik war zuvor ein Streit darüber entbrannt, wann genau der Honda-Pilot Rubens Barrichello den Rekord für die meisten Formel-1-Rennen brechen wird. Grund ist eine Ungenauigkeit aus den Anfangstagen der Karriere des Brasilianers, als er zwar mehrfach in der Startaufstellung stand, aber das Rennen nicht in Angriff nahm. Doch ob es nun tatsächlich beim Großen Preis der Türkei am Sonntag passiert oder erst ein oder zwei Rennen später, ist eigentlich egal. Dass Rubens Barrichello Riccardo Patrese als den Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Rennen ablösen wird, ist gewiss – die 256 Rennen des Italieners sind als Rekord dem Untergang geweiht.

Auch für den neuen Champion in Sachen Formel-1-Ausdauer, der die magische Zahl 257 schon mal auf seinem Auto, seinem Helm und in Gold auf seiner privaten Website leuchten lässt, ist der genaue Zeitpunkt eher nebensächlich: „Dann feiern wir halt drei Rennen lang. Das ist sehr brasilianisch.“ Und außerdem eine äußerst willkommene Abwechslung – schließlich gab es für den ewigen Mitfahrer Barrichello selten viel zu feiern.

1993 begann Barrichellos Karriere beim Rennen in Südafrika. Richtig los ging sie aber erst 1994, als er nach dem Unfalltod Ayrton Sennas in die viel zu großen Fußstapfen des brasilianischen Idols „gedrängt wurde“, wie er selbst sagt. „Ich habe mich nie als Sennas Nachfolger gesehen – so anmaßend wäre ich nie gewesen.“ Diese Einstellung bestätigte er auf der Strecke. Auch wenn er in seinen sechs Jahren bei Ferrari neun Große Preise gewann, fügte er sich doch meist artig in die Rolle des Wasserträgers für Michael Schumacher. Erst als er 2005 in den USA absichtlich langsam fahren musste, „damit Schumacher mich überholen konnte“, flüchtete er von Ferrari: „Das hätte ich zwei, drei Jahre früher tun sollen.“ So aber hatten sich Image und Ego bereits auf die Statistenrolle eingependelt. Mehr als ein Dabeisein ist trotz solider Leistungen seither auch bei Honda nicht drin.

So besteht die bemerkenswerteste Leistung Barrichellos darin, dass der Familienmensch sich im Haifischbecken Formel 1 sein kleines Biotop geschaffen hat, das er gar nicht mehr verlassen möchte. „Es stecken noch viele Jahre in mir“, sagt der 36-Jährige. „Vor 300 Grand Prix höre ich nicht auf.“ Karin Sturm

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