• „Er hat drei Punktrichter“ Ein FBI-Protokoll enthüllt die Hintergründe des Eislaufskandals

Sport : „Er hat drei Punktrichter“ Ein FBI-Protokoll enthüllt die Hintergründe des Eislaufskandals

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Hamburg (dpa). Der ehemalige Präsident des französischen Eislauf-Verbandes, Didier Gailhaguet, ist nach einer Dokumentation des amerikanischen Bundeskriminalamtes FBI die Schlüsselfigur des Sports im Skandal um die olympischen Eislauf-Entscheidungen in Salt Lake City. Das geht aus dem Aussageprotokoll des FBI-Spezialagenten William E. McCaugland hervor, das die Staatsanwaltschaft von New York dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zur Verfügung gestellt hat. Das Protokoll sagt aus, dass die Entscheidungen im Paarlaufen und im Eistanz im Zusammenspiel zwischen dem russischen Mafiaboss Alimsan Tochtachunow und einem ungenannten russischen Mittäter durch Bestechung beeinflusst worden sind.

Den Aussagen zufolge sollte Gailhaguet einen französischen Beitrag leisten zum Sieg des russischen Paares Elena Bereschnaja und Anton Sicharulidse. Dafür würde Tochtachunow für den Goldmedaillengewinn des französischen Tanzpaares Marina Anissina und Gwendal Peizerat sorgen. Außerdem sollte sich Gailhaguet für den 53-jährigen Usbeken erneut bei der französischen Regierung um die Verlängerung einer Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich verwenden. Als Mitwisserin tritt in dem Protokoll die russisch-stämmige Olympiasiegerin Anissina auf.

Etwa einen Monat vor den Winterspielen fädelte Tochtachunow telefonisch aus Italien den Olympia-Betrug ein. Als treibende Kraft wird in dem Protokoll ein weiterer Russe aufgeführt. Er erweist sich in den abgehörten Telefon-Gesprächen als Einflussträger auch auf russische Sport-Funktionäre. Nach der als Skandal empfundenen Paarlauf-Entscheidung, bei der die französische Punktrichterin Marie-Reine Le Gougne den Ausschlag zum Sieg mit 5:4 Stimmen über die Kanadier Jamie Sale und David Pelletier gab, sagte der Russe zu Tochtachunow: „Du kannst ihrer Mutter oder ihrem Vater sagen, alles wird okay sein.“ Gemeint waren die Eltern der Exil-Russin und jetzigen Französin Marina Anissina, die danach mit ihrem französischen Partner Gwendal Peizerat die Eistanz-Konkurrenz gewann. Der Russe nannte Anissina „eine von uns, und sie wird Olympiasiegerin werden“. Tatsächlich siegte das französische Paar mit 5:4 Stimmen. Vor der Tanzentscheidung machte Tochtachunow der Mutter von Anissina die Ankündigung: „Wir werden sie zur Olympiasiegerin machen, selbst wenn sie stürzt. Er (der Russe, Anm. der Redaktion) hat zwei oder drei Punktrichter. Sage ihr, wir werden ihr helfen und alles dafür tun.“

Gailhaguet, der von der Internationalen Eislauf-Union (ISU) wie die von ihm beeinflusste Le Gougne für drei Jahre gesperrt worden ist, sprach von einem Komplott. Anissina und Peizerat hätten ihre Goldmedaille auf dem Eis gewonnen, sagte Gailhaguet in Anwesenheit der Olympiasieger in Arles. „Diese so genannte Affäre ist abenteuerlich.“ Tochtachunow sei ein „fabulierender, gefährlicher Clown“. Anissina gestand, von Zeit zu Zeit mit Tochtachunow telefoniert, „ohne jemals in Sachen Wettbewerb etwas erbeten zu haben“. IOC-Vizepräsident Thomas Bach begrüßte die Informationen aus den USA. Er sagte: „Sie bringen uns weiter“.

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