Sport : Er hat sich bemüht

Stürmer Miroslav Klose kann Werder Bremen im Titelkampf nicht helfen und gerät an den Rand des Teams

Sven Goldmann

Berlin - In der letzten halben Stunde, als die Zirkustricks zur Aufführung kamen, als die Berliner Abwehr nur noch taktische Fiktion war und die Bremer ihren Gegner im Minutentakt demütigten, in dieser letzten halben Stunde durfte auch Miroslav Klose ein bisschen mitspielen. Und siehe da: Er kann es noch. Diegos Tor zum 3:1 bereitete Klose mit einem direkten Brustpass (!) vor. Ein anderes Mal flankte er Diego den Ball so genau auf den Fuß, dass der Brasilianer direkt weiterleiten konnte auf Vranjes, der den Ball an der Grundlinie über Herthas Torhüter Fiedler hob und dann gnädig auf den Abschluss verzichtete. Werder Bremen spielte Jojo mit den bedauernswerten Berlinern, und Miroslav Klose war so selbstverständlich dabei, als hätte es nie eine Diskussion um ihn gegeben.

Gab es aber doch, auch nach dem 4:1-Sieg am Sonntag bei Hertha BSC. Wieder mal hatte Klose kein Tor erzielt. Neben dem dreifachen Torschützen Markus Rosenberg fiel er so stark ab, dass dieser ihn in mancher Szene nicht mal als gleichberechtigten Mitspieler zu akzeptieren schien. Einmal lief der Schwede mit dem Ball auf das Berliner Tor, nur noch ein Abwehrspieler stand vor ihm, und Rosenberg schoss aus ungünstiger Position ein paar Meter neben das Tor. Miroslav Klose hatte in der Mitte auf ein Zuspiel gewartet, völlig freistehend, und zaghaft hob er zur Beschwerde den Arm. Rosenberg winkte ab – ob gelangweilt oder entschuldigend, das wird sein Geheimnis bleiben. Rosenberg mochte nur über seinen Hattrick plaudern, und Klose sagte vorsichtshalber gar nichts.

Ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Meisterschaft wissen die Bremer nicht so recht, was sie mit ihrem ehedem besten Stürmer anfangen sollen. Kloses Krise wird oft an den ungeschickten Verhandlungen mit Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß festgemacht, drei Tage vor dem Uefa-Cup-Halbfinale bei Espanyol Barcelona. Doch da war die Krise schon akut. Von seinen 13 Bundesligatoren in dieser Saison hat Klose ganze zwei in der Rückrunde erzielt – eines beim 2:0 in Dortmund, das zweite vor einer Woche beim 2:3 in Bielefeld, aber da war er für die Bremer Fans längst schon ein zu ächtendes Bayern-Schwein.

Drei Tage später unterrichtete Werders Manager Klaus Allofs die Öffentlichkeit am Mittwoch über eine Einigung über einen Verbleib Kloses bis 2008, aber diese Einigung trug eher die Züge einer Verfügung. Die Causa Klose ist für die Bremer auch eine Prestigeangelegenheit. Zu den Festgeldkontobayern wollen sie ihn nicht gehen lassen, auf keinen Fall, das fügt sich nicht in ihre Vision von einer Neuordnung der deutschen Fußballlandschaft. Da verzichten sie zur Not auch auf die Ablösesumme. Im nächsten Sommer läuft der Vertrag aus und Klose kann zum Nulltarif wechseln.

Auf Dauer aber hilft Werder nur ein gut gelaunter Klose weiter. In Berlin war davon wenig zu sehen, jedenfalls solange das Spiel noch eine ernst zu nehmende sportliche Auseinandersetzung war. Gerade eine Torchance hatte Klose gegen die desolate Hertha. Das war nach Diegos schönem Pass in der finalen Zirkusphase, aber Klose traf den Ball nicht richtig und schoss ihn Fiedler in die Arme. Manager Allofs wertete das Schüsschen als den Anfang eines vagen Etwas: ,„Miro war im Abschluss unglücklich, aber es geht aufwärts.“

Thomas Schaaf sagte später, die Mannschaft sei von den Turbulenzen um Klose „überhaupt nicht beeindruckt gewesen“. Am Ende erinnerte der Bremer Trainer höchst persönlich daran, mit wem das Straucheln in der Meisterschaft und der K.o. im Uefa-Cup in Verbindung gebracht werden. Fünf Minuten vor dem Schlusspfiff beorderte Schaaf den glücklosen Klose vom Platz, die Bremer Fans nahmen die Aufforderung zum Pfeifkonzert bereitwillig an. Schaaf sagte, der 18-jährige Kevin Schindler habe „ein paar Minuten reinschnuppern“ sollen. Das leuchtet ein, aber hätte er nicht besser Rosenberg ausgewechselt? Der hätte sich in der Bremer Kurve gern für seine drei Tore feiern lassen.

Die demonstrative Auswechslung war nicht der letzte Nadelstich gegen den bockigen Stürmer. Angesprochen auf Kloses Leistung sagte Schaaf: „Miro hat sich bemüht.“ So einen Satz schreibt ein Turnlehrer in das Zeugnis eines Schülers, der noch im sechsten Schuljahr am Felgaufschwung scheitert. Er hat sich bemüht, aber er kann’s leider nicht besser.

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