Sport : Er ist ja nicht bekloppt

Frank Rost profitiert beim Länderspiel in Bremen von der angeblichen Verletzung Oliver Kahns

Frank Hellmann

Entschlossenen Schrittes ging Frank Rost im Trainingsanzug Richtung Podium. Dann nahm er Platz neben Rudi Völler, der in Saal 3 des Bremer Parkhotels schon eine halbe Stunde lang über Sinn und Unsinn eines Freundschaftsspiel gegen Serbien-Montenegro (Mittwoch 20.40 Uhr/ARD) referierte. Der Teamchef erklärte, dass der April-Termin generell ungünstig sei, dass man Michael Ballack noch schonen müsse und dass „der eine oder andere jetzt unverhofft eine Chance bekommt“. So wie Neben- und Tormann Rost.

Nach offizieller Lesart plagt Oliver Kahn eine kaputte Kapsel im Ellbogen, „drei, vier Tage Trainingspause“, sagt Völler. Der Teamchef ergänzt: „Dann kann er einmal durchatmen.“ So denken viele von Kahns Kollegen: Jens Jeremies und Dietmar Hamann haben wegen schmerzender Knöchel abgesagt, bei Oliver Neuville ist der Muskel verhärtet, bei Tobias Rau die Hüfte, bei Jörg Böhme die Wade geprellt.

Festlegen konnte sich Völler, der Hans-Jörg Butt noch nachnominierte, bislang nur bei der Nummer eins: „Rost wird spielen.“ Zum zweiten Male in seiner Karriere, zum ersten Mal über 90 Minuten, ausgerechnet an alter Wirkungsstätte im Bremer Weserstadion. „Ich konnte das erst gar nicht glauben“, gesteht er. Der 29-Jährige fand die Einladung am Donnerstag im Briefkasten, „Rudi Völler hatte mich vorher nicht erreicht“. Rosts Beziehung zum DFB galt lange als leicht gestört. Heute entschuldigt er sich dafür: „Wir Torhüter sind alle positiv Bekloppte.“ Doch nie und nimmer sei er so doof, an Kahn zu kratzen. Seine frühere Kritik veranlasste damals Bundes-Torwarttrainer Sepp Maier zur Aussage, „die Rost-Bratwurst solle die Klappe halten“. Rost hat sich mittlerweile mit Kahn ausgesprochen, mit Maier nicht. „Nebensächlich“, sagt er dazu, „Hauptsache, ich halte am Mittwoch gut.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben