Sport : Er ist kein Bär fürs Grobe - sondern schießt lieberTore

Claus Vetter

Das erste Drittel der Partie zwischen den Frankfurt Lions und den Eisbären war fast vorbei, da betrat Rick Hayward erstmals die Eisfläche. Yvon Corriveau schwante Böses. "Ich habe ihn gefragt, was er auf dem Eis macht", erzählt der Stürmer der Eisbären, "da hat Hayward mir gesagt, dass er ein paar von unseren Spielern aufmischen will." Corriveaus Kommentar fiel kurz und prägnant aus: "Das glaube ich nicht." Was folgte, war wenig überraschend. Die Handschuhe flogen aufs Eis, die "Tough Guys" beider Teams lieferten sich einen handfesten Boxkampf. Der endete unentschieden und für beide schließlich mit einem vorzeitigen Gang in die Kabine. "So etwas passiert nun mal, das ist eben Teil des Spiels", meint Corriveau. Und dieser - in Nordamerika im Eishockey üblichen, für hiesige Betrachter oft etwas deplaziert anmutende - Austragung von Meinungsverschiedenheiten folgen bisweilen einem etwas seltsamen Kodex. So einigten sich Corriveau und Hayward darauf, erst einmal das Bully abzuwarten und dann loszuschlagen.

Nun wäre es durchaus nicht unfair, Corriveaus Widersacher vom Sonnabend auf einen professionellen Faustkämpfer auf Schlittschuhen zu reduzieren. Hayward ist nicht für seine spielerischen Qualitäten bekannt. Ein Tor oder eine Vorlage hat der Kanadier, seit 1998 bei den Hessen unter Vertrag, noch nicht auf sein Konto gebracht, dafür aber etliche Strafminuten. Bei Corriveau verhält sich die Angelegenheit anders. Im dritten Jahr ist der Kanadier bei den Eisbären, er hat dabei nicht vornehmlich mit Kampfeinlagen für Aufsehen gesorgt. Am vergangenen Freitag gegen die Hannover Scorpions gelang ihm bereits sein sechster Saisontreffer, so oft hatte bis dahin keiner seiner Mannschaftskameraden das gegnerische Tor getroffen. "Ich habe eben in den ersten Spielen viel Glück gehabt", sagt der 32-Jährige, "meine Tore entspringen nicht unbedingt immer tollen Kombinationen, sondern sind meistens hart erarbeitet."

Corriveau ist einer, der auch dann noch kämpft, wenn andere längst aufgegeben haben. Als es zu Anfang der Saison bei den Eisbären nicht gerade blendend lief, war dem Kanadier trotzdem meist eine solide Leistung zu attestieren. "Vielleicht liegt es daran, dass ich nach den anfänglichen Misserfolgen mich nicht habe irritieren lassen. Ich habe schon so viel erlebt, da beeinflusst mich Druck von außen nicht mehr."

Viel erlebt hat Corriveau bevor er 1997 nach Berlin kam: 309 Spiele in der National Hockey League (NHL) für Washington, Hartford und San Jose, - nicht als Raubein, sondern vornehmlich als Angreifer mit Torinstinkt: Corriveau kam in seiner NHL-Zeit immerhin auf 100 Skorerpunkte. "In der NHL gibt es in jedem Team ein paar Jungs, die nur zum Prügeln da sind. Ich habe zwar immer körperbetont gespielt, aber als Beschützer habe ich nie fungiert."

Seit er bei den Eisbären ist, wird der Kanadier allerdings von der Konkurrenz oft in diese Rolle gerückt. Nach dem Spiel von Frankfurt forderte eine erregte Schar von Medienvertretern gar, Spieler wie Hayward und Corriveau aus der Liga zu verbannen. Natürlich habe er das gehört, sagt Corriveau, verstehen würde er es aber nicht. "Zwischen Hayward und mir gibt es doch einen großen Unterschied. Ich spiele wesentlich mehr als er, muss zum Beispiel auch im Powerplay aufs Eis." Zudem sei das Provozieren des Gegners bei den Eisbären eben nicht seine Aufgabe, "außerdem können in unserer Mannschaft die meisten gut auf sich selbst aufpassen." Offensichtlich nicht, wenn einer wie Rick Hayward kommt. "Nun gut", lacht Corriveau, "aber Hayward ist eine Ausnahme. Bei uns zu Hause in Nordamerika kämpft der in der Schwergewichtsklasse."

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