Sport : Er weiß nicht, was wird es bedeuten

Unions Präsident Zingler stellt sich den Fans

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Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Wer zu spät kommt, bleibt im Flur stecken. Bereits 40 Minuten vor Beginn der Veranstaltung ist es brechend voll in dem alten Backsteingebäude in Oberschöneweide. Es ist eine Premiere, zum ersten Mal findet das Fantreffen des 1. FC Union in diesen Räumlichkeiten statt, aber das ist den meisten der gut 300 Anhänger egal. Viel mehr interessiert sie, was Dirk Zingler in den folgenden zwei Stunden zu sagen hat. Es ist der erste öffentliche Auftritt des Union-Präsidenten vor Fans, seitdem bekannt wurde, dass er seinen Wehrdienst bei einem Wachregiment der Staatssicherheit geleistet hatte.

Die Angelegenheit hatte Aufregung unter den Anhängern hervorgerufen, weil sie sich in der DDR gern als besonders staatsfern gegeben hatten. Und so ist eine leichte Nervosität bei Dirk Zingler spürbar, als er sich zuerst den Fragen des Moderators und später denen des Publikums stellt. Der Moderator räumt gleich ein, kein Historiker zu sein und stellt deshalb jemanden vor, der sich in die DDR-Geschichte eingearbeitet hat. Man kennt sich, Moderator und Experte haben zusammen ein Buch über den 1. FC Union geschrieben.

Dirk Zingler erklärt in der Folgezeit, zwar gewusst zu haben, wo er da seinen Wehrdienst ableistete, aber nicht, was das für eine Bedeutung haben könnte. Im Publikum sind viele Fans, die schon vor dem Fall der Mauer regelmäßig im Stadion An der Alten Försterei zugegen waren. Sie begleiten Zinglers Ausführungen mit Applaus. Sympathien hat Unions Präsident kaum eingebüßt. Zu groß sind dessen Verdienste, seitdem er den Verein 2004 übernommen und wieder in den Profifußball zurückgeführt hat. Wird es doch mal kritisch, bringt sich der Moderator schnell ein oder der Experte erklärt. Auf die Aussage eines Fans, dass seines Wissens nach nur linientreue Leute dem Wachregiment Feliks Dzierzynski angehörten, sagt der Experte: „Die Abteilung Kader und Wehr hatte große Probleme, geeigneten Nachwuchs zu finden. Die haben genommen, wen sie kriegen konnten, sofern man politisch zuverlässig war.“ Zum Ende interessiert die Fans nur noch, ob es nun wirklich vorbei ist. „Kommt da noch was?“, fragt einer Richtung Zingler. Der antwortet: „Ich war weder offizieller noch inoffizieller Mitarbeiter und habe nach der Beendigung meines Wehrdienstes im März 1986 keinen Kontakt mehr mit der Staatssicherheit gehabt.“ Wenig später ist alles gesagt, der Schlachtruf „Eisern Union“ dringt als Schlusssequenz durch das Gemäuer. So laut, dass es auch die Fans im Flur hören können. Sebastian Stier

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