Sport : Er weiß noch, wie man jubelt

Nach einem erfolglosen Jahr fährt Michael Schumacher im ersten Rennen 2006 auf Startplatz eins

Karin Sturm[Manama]

Als Michael Schumacher aus dem Auto stieg, wirkte es, als kehrten längst vergangene Zeiten zurück. Die Ingenieure und Mechaniker seines Formel-1-Teams Ferrari tanzten und jubelten um ihn herum, und auch der Deutsche selbst präsentierte sich auf eine Art und Weise, die nach dem deprimierenden vergangenen Jahr fast in Vergessenheit geraten war. Er riss die Arme hoch, formte die Siegerfaust mit dem berühmten Alles-super-Daumen und umarmte immer wieder seine Ingenieure. Es gab gleich zwei gute Gründe für die Reaktivierung dieser Jubelgesten: Michael Schumacher hat sich die erste Poleposition des Jahres gesichert und dabei auch noch den einst für unantastbar gehaltenen Qualifikations-Rekord des Brasilianers Ayrton Senna eingestellt.

Nach einem Jahr des Hinterherfahrens scheint es, als habe sich der Rekordweltmeister am Samstag tatsächlich im Kreis der Siegkandidaten zurückgemeldet. Beim ersten Qualifying nach dem neuen, spektakulären K.-o.-System zum Großen Preis von Bahrain in Manama fuhr er ganz knapp vor seinem Teamkollegen Felipe Massa auf die Poleposition. Dass er jetzt genau wie Ayrton Senna 65 Polepositions erreicht hat, ist „etwas, was mich stolz macht“. Als Schumacher das erste Mal seit seinem Sieg beim Skandalrennen in Indianapolis im Juni 2005 bei der Pressekonferenz der drei schnellsten Fahrer wieder in der Mitte saß, überfiel ihn ein „großartiges Gefühl. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie das ist. Es war schon so lange her.“ Gerechnet hatte er nach dem Verlauf des Wochenendes nicht unbedingt mit einer Bestzeit. „Ich hätte gedacht, dass wir zwar konkurrenzfähig, aber vielleicht doch ein kleines bisschen zurück sein würden“, sagte der 37-Jährige. „So ist das eine sehr schöne Überraschung.“

Beinahe hätte noch ein anderer Deutscher in Bahrain für eine große Überraschung gesorgt. Bis wenige Sekunden vor Schluss war Nick Heidfeld mit dem neuen BMW-Sauber auf dem Weg in die dritte Startreihe, „dann habe ich einen dicken Fehler gemacht und sehr viel Zeit verloren“. Dem Mönchengladbacher blieb so nur der zehnte Platz, knapp vor seinem Teamkollegen Jacques Villeneuve, der in der zweiten K.-o.-Runde knapp gescheitert war. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen war mit dem Debüt seiner Mannschaft trotzdem vollauf zufrieden: „Das war ein sehr guter Auftakt für uns, wir hatten keine Probleme, konnten auch zeigen, dass wir auch vom Speed her auf Anhieb gut mit dabei sind.“ Die beiden anderen Deutschen, Ralf Schumacher (Toyota) und Nico Rosberg (Williams), schieden in der ersten beziehungsweise zweiten K.-o.-Runde aus und starten heute (12.30/live bei RTL und Premiere) von den Plätzen 17 und 12.

Ganz vorne wird ein alter Bekannter stehen. Michael Schumacher genoss es, wieder einmal im Mittelpunkt zu stehen. „Wir haben den Winter über sehr hart gearbeitet – und es hat sich ausgezahlt. Wir sind wie Phönix aus der Asche erstiegen.“ Dass in Felipe Massa der andere Ferrari-Pilot auf den zweiten Platz fuhr, bekräftigte die Theorie vom allgemein wiedererstarkten Team. Wenngleich zumindest einer auf eine umgekehrte Reihenfolge im ersten Duell der beiden neuen Teamkollegen gehofft hatte. Bruno Senna, der 22 Jahre alte Neffe des 1994 in Imola tödlich verunglückten legendären Champions, verfolgte in der Nachbarbox das Qualifying. Als Schumacher den Rekord seines berühmten Onkels eingestellt hatte, war Senna im ersten Moment ein bisschen traurig: „Ich gebe zu, ich habe Felipe die Daumen gedrückt, dass er Michael noch abfängt. Aber andererseits war ja klar, dass das irgendwann passieren würde.“

Erst im Rennen wird sich allerdings endgültig aufklären lassen, ob Schumacher und Ferrari in diesem Jahr wirklich den verlorenen Titel zurückholen können. Noch immer ist nicht sicher, ob die Bridgestone-Reifen auch über die Distanz den Michelins gewachsen sind. Zudem war der große Favorit, Weltmeister Fernando Alonso im Renault, als Vierter mit einem sehr großen Rückstand auf Ferrari unterwegs. Das spricht dafür, dass er im Gegensatz zu Schumacher und Massa nur auf zwei statt auf drei Boxenstopps setzt und mit entsprechend mehr Benzin an Bord unterwegs war.

Trotz dieser Vorzeichen hat Michael Schumacher durch das Erfolgserlebnis offenbar auch seinen unerschütterlichen Optimismus wiedergefunden, der im vergangenen Jahr teilweise abhanden gekommen war. „Wir sind ganz einfach schnell“, befand er kurz und schickte vielsagend hinterher: „Ein Sieg ist nicht unmöglich!“

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