Sport : Er will doch nur getreten werden

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Werden die Stadien noch fertig? Warum klappt der Ticketverkauf so schlecht? Weshalb ist Deutschlands Gruppe so leicht? Warum ist das Maskottchen so beknackt? Alle vier Jahre die gleichen Fragen. Zu den Ritualen vor einer Fußball-WM ist in den vergangenen Jahren ein neues hinzugekommen: die Kollektivkritik am flatterhaften Spielball. Jetzt ist es der arme Jabulani, der alles abbekommt. „Wie aus dem Supermarkt“ sei der Ball, sagt Brasiliens Torhüter, „eine Schande“, heißt es aus Italien, „mies“, lautet das Urteil aus Spanien, „wie ein Beachvolleyball“, lässt Chile verlauten. Ein brasilianischer Stürmer fällt sogar das denkbar vernichtendste Verdikt: „Der Ball verhält sich, als wolle er nicht getreten werden.“

Wahrscheinlich ist es bloß Zufall, dass die meisten Kritiker des Adidas-Produkts bei anderen Ausrüstern unter Vertrag stehen. Italiens Torwart Buffon (Puma) scheint sein persönliches Ball-Bashing schon lange liebgewonnen zu haben. Vor der WM 2002 sagte er, das Spielgerät erinnere ihn an einen Flummi. Zwei Jahre später war ihm zu den Flugeigenschaften des EM-Balls nur ein mildes „komisch“ zu entlocken, während Englands Keeper das Spielgerät mit einem Wasserball verglich.

Wehren kann sich Jabulani nicht. Im Gegensatz zu „Pille“, dem Hilfsmaskottchen von 2006, ist ihm die Fähigkeit zu sprechen nicht gegeben. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich stumm treten zu lassen. Und zu warten, bis nach der ersten Fehlentscheidung die traditionelle Schiedsrichterdebatte beginnt.

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