Sport : Er will, er kann

Der Berliner Markus Richwien rückt nach vielen Verletzungen ins Handball-Nationalteam auf

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Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Es kann sich für einen deutschen Bundesliga-Handballer derzeit besonders lohnen, ständig seine Mails zu checken. „Ich habe auf diese Weise erfahren, dass ich zur Nationalmannschaft eingeladen bin“, sagt Markus Richwien. Dass der Füchse-Rechtsaußen nunmehr seit Dienstag in Schwerin im erlauchten Kreis schwitzen darf, damit hatte er gar nicht gerechnet. Die Selbstfindung der Nationalmannschaft nach der WM-Blamage vom Januar bietet jedoch einige Chancen. So ist der 25-Jährige neben Silvio Heinevetter und Sven-Sören Christophersen der dritte Spieler des Tabellenvierten aus Berlin, den Heiner Brand bei den zwei Länderspielen am kommenden Wochenende gegen Norwegen einsetzen könnte.

Die erneute Einladung nach seinem Debüt Ende Februar 2008 in St. Gallen gegen die Schweiz möchte Richwien „ohne besonderen Druck unbedingt nutzen“. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning traut dem gebürtigen Magdeburger auch eine überzeugende Leistung zu. „Auf dieser Position wurden immer wieder Spieler als Nummer zwei getestet, die auf Dauer nicht überzeugt haben. Ich traue Markus zu, dass er es packt“, sagt er.

Die beiden Spiele in Rostock und Schwerin nutzt Brand, um im Vergleich zwischen Richwien und dem Mannheimer Patrick Groetzki etwas Klarheit zu bekommen. In diese Lage gekommen ist er durch den verletzungsbedingten Ausfall von Christian Sprenger, der sich beim THW Kiel auf dieser Position zu einem internationalen Spitzenspieler entwickelt hat. Seine Abwesenheit ist nun die Chance von Richwien, der einst mit Sprenger beim SC Magdeburg alle Stationen der erfolgreichen Nachwuchsarbeit mitgemacht hat. In der Junioren-Nationalmannschaft war der zwei Jahre jüngere Richwien allerdings erfolgreicher, gewann 2004 EM-Gold. Einige Zeit sah es dennoch nicht danach aus, dass zu den bisher drei Länderspielen und neun Toren (B-Vergleiche inbegriffen) weitere hinzukommen könnten. Die Krankheiten und Verletzungen, unter denen der Linkshänder seit 2006 bei den Füchsen zu leiden hatte, sind genug Erklärung dafür: Arthrose, Blinddarm-OP, Bänderriss in der Fußsohle, Anriss des Syndesmosebandes und eine Form der Schweinegrippe. Das alles warf ihn immer wieder zurück. Den Glauben an seine Fähigkeiten hat er dennoch nicht verloren und sagt heute: „Was ich kann, das weiß ich doch.“ Seiner älteren Schwester, die in London lebt, hat er aus Spaß schon mal signalisiert, sich Karten fürs olympische Handball-Turnier 2012 zu kaufen. „Den Traum, einmal bei Olympia zu spielen, hatte ich schon als Kind“, berichtet er.

Dass es im Moment allerdings eher fraglich ist, ob sich die deutsche Nationalmannschaft überhaupt noch für Olympia qualifizieren kann, ist auch Richwien bewusst. Aber eine letzte Chance zur Qualifikation besteht eben noch – im kommenden Januar bei der EM in Serbien. Für Markus Richwien wäre es ein großer Schritt zu diesem Zwischenziel, wenn er sich schon an diesem Wochenende nachhaltig dafür in Erinnerung bringt.

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