Sport : Er will nur spielen

Prozessauftakt gegen den FC-Bayern-Profi Breno, der sein Haus in München angezündet haben soll.

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Die Karriere steht auf dem Spiel. Bayern-Profi Breno kommt am Mittwoch in den Gerichtssaal, zur mutmaßlichen Tat sagt der Brasilianer zum Prozessauftakt nichts. Foto: Reuters
Die Karriere steht auf dem Spiel. Bayern-Profi Breno kommt am Mittwoch in den Gerichtssaal, zur mutmaßlichen Tat sagt der...Foto: REUTERS

Zur mutmaßlichen Tat schweigt Breno. Keine Angabe macht der brasilianische Profi-Fußballer in den Reihen des FC Bayern beim Prozessauftakt darüber, was in der Nacht vom 19. auf den 20. September 2011 in der von ihm und seiner Familie gemieteten Luxusvilla im Nobelvorort Grünwald geschehen ist. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der 22-Jährige mithilfe von Beschleunigern wie Benzin oder Alkohol das Haus angezündet und völlig niedergebrannt hat. Sie wirft ihm schwere Brandstiftung vor, darauf stehen bis zu 15 Jahre Gefängnis.

Auf der Anklagebank sitzt am Mittwoch ein schüchterner, junger Mann. Athletische Figur, schwarzer Anzug, leise Stimme. Er ist nervös. „Ich hoffe, dass das Gericht die beste Entscheidung für mich treffen wird“, sagt er ergeben zur Vorsitzenden Richterin Rosi Datzmann. Schnell wird klar, dass hier nicht nur über eine abgebrannte Villa und einen Schaden von einer Million Euro verhandelt wird. Es geht auch um das künftige Leben des Breno Vinicius Rodrigues Borges, der mit 18 Jahren, also fast noch ein Kind, zu den Weltprofis des FC Bayern kam – und der in dieser Mannschaft und in diesem Land gescheitert ist.

Es ist ein einzigartiger Fall, dass sich ein Top-Fußballspieler eines solchen Vergehens schuldig gemacht haben soll: Dieser 19. September begann schon nicht gut für Breno. Am Morgen wurde ihm eine bittere Nachricht mitgeteilt: Auch weiterhin würde der Innenverteidiger nicht spielen können, sagten die Ärzte. Seit mehr als einem Jahr laborierte er bereits an einer Knieverletzung, wahrscheinlich musste er erneut operiert werden. Das stürzte ihn offenbar in die Verzweiflung. Er betrank sich den Tag über, stritt heftig mit seiner Frau Renata, die zehn Jahre älter ist als er. Er ärgerte sich, dass er nicht wie geplant das Oktoberfest besuchen konnte – dafür war er schon zu betrunken, am nächsten Morgen hatte er einen Arzttermin. Als die Streitigkeiten gewalttätig zu werden drohten, verließ die Frau mit den drei Kindern das Haus. Zwei hatte sie in die Ehe eingebracht, der dreijährige Sohn stammt von Breno.

Gegen Mitternacht zündete Breno dann, so steht es in der Anklage, das Haus an. Als die Flammen heftig loderten, rannte er hinaus, klingelte bei mehreren Nachbarn und rief einem in die Gegensprechanlage: „Feuer, Feuer, brennt.“ Den Löschhelfern drückte er drei Feuerzeuge in die Hand, eines davon voll mit Ruß. Freunden und der Polizei sagte er danach, dass er sich an nichts mehr erinnern könne.

Breno wird über sein Leben befragt, stockend und etwas einfältig erzählt er. Sein Leben hat eigentlich nur ein Thema: Fußball. „Ich habe früh angefangen, Fußball zu spielen“, ist einer seiner ersten Sätze. Mit zwölf Jahren wurde er als Talent entdeckt und kam ins Fußball-Internat. Mit 16 wurde er Profispieler beim FC Sao Paulo, einer ganz großen Mannschaft des Weltfußballs. Er holte die Eltern zu sich, nun ernährte er sie. 2008 wurde er von Bayern München abgeworben mit Unterstützung des einstigen brasilianischen Bayern-Spielers Giovane Elber. Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach damals von einer „Verpflichtung für die Zukunft“. Mehr als zwölf Millionen Euro Ablösesumme wurden bezahlt, Brenos Jahresgehalt soll bei einer Million Euro gelegen haben. Erst kamen seine Eltern fürsorglich mit nach München, um ihm beizustehen, dann die Ehefrau mit den Kindern. Er sagt: „Das ist mein Leben.“

Er berichtet von den verschiedenen Verletzungen, die ihn am Spielen gehindert haben und sagt, er hätte sich mehr Kontakte gewünscht – doch auch nach vier Jahren kann er fast kein Deutsch. Die Richterin fragt, ob er außer Fußball noch irgendein anderes Interesse habe. „Ich bin ein sehr häuslicher Typ“, sagt er nur, „ich bin gerne zu Hause.“ Er wirkt wie ein Mann, der Junge geblieben ist, den immer jemand versorgt hat. Und der nur sein Spiel spielen will. Fußball.

An diesem ersten Prozesstag wird klar, wie nah Brenos Leben vor dem Scheitern steht. Ende Juni läuft sein Vertrag beim FC Bayern aus. Dann muss er auch das von dem Verein angemietete Haus verlassen. Im Juli könnte er bei Lazio Rom anfangen – allerdings nur, wenn er nicht ins Gefängnis kommt. Auf Bewährung könnte er nur verurteilt werden, so ein Prozessbeteiligter, wenn er umfassend gesteht und Reue zeigt. Bleibt das aus, zieht sich das Verfahren hin, der Rom-Deal platzt – und Breno hat keine Wohnung mehr. Wer würde einem etwas vermieten, der kürzlich ein Haus abgebrannt haben soll?

Extra für den Prozess ist Giovane Elber aus Brasilien angereist. „Ich will ihm helfen“, sagt er in einer Pause. „Wenn Breno etwas braucht, bin ich hier für ihn da.“ Elber kritisiert den FC Bayern hart: „Der Verein arbeitet schlecht mit jungen Spielern. Er muss viel mehr für die Integration tun, dass sie die Sprache lernen.“ Andere Vereine wie etwa Bayer Leverkusen würden das weitaus besser machen.

Nach Brenos Festnahme in die Untersuchungshaft hatte auch FC-Bayern-Patriarch Uli Hoeneß seine Lage nicht gerade einfacher gemacht. In Interviews wütete er und griff die Staatsanwaltschaft scharf an. Die Haft sei „unmenschlich“, und weiter sagte er: „Wahnsinn“, er habe so etwas in Deutschland noch nie erlebt. Man hätte doch auf ihn zukommen und über eine Kaution reden können. Die wurde später geleistet.

Breno ist derzeit auf freiem Fuß. Allerdings ist sein Pass eingezogen, er muss sich regelmäßig bei der Polizei melden. Denn Fluchtgefahr, so sehen es die Behörden, besteht auf jeden Fall.

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