Sport : Er will nur spielen

Stefan Hermanns

Eins muss man Hertha BSC lassen: Der Fußball-Bundesligist schafft es mit erstaunlicher Konsequenz, inkonsequent zu sein, und er schafft es immer dann, wenn es um Marcelinho geht. Gerade wieder darf die Öffentlichkeit miterleben, wie sich der Brasilianer innerhalb weniger Tage von einer Persona non grata in den alten Heilsbringer zurückverwandelt. Begleitet und unterstützt wurde dieser Prozess von einer schmierigen Inszenierung der Boulevardpresse, die Marcelinho, den Garant für immer neue Boulevardgeschichten, im Trainingslager vor einen Computer platzierte, wo er angeblich solidarisch, in Wirklichkeit aber nur für ein schönes Foto das UI-Cup-Spiel seiner Kollegen gegen FK Moskau verfolgte.

Wenn man sich – jenseits allen Wunderglaubens – an die Fakten hält, stellt sich die Situation ganz anders dar: Marcelinho kann das Wappen auf seinem Trikot noch hundertmal küssen – ihn verbindet mit Hertha nichts als der meist zuverlässige Gehaltseingang auf seinem Konto. Marcelinho hat bis heute nicht verstanden, dass sein Arbeitgeber dafür von ihm unter anderem die Einhaltung der Arbeitszeiten erwartet. Und Marcelinho hat es auch nicht für nötig erachtet, sich seinen Kollegen zu erklären, die alle pünktlich aus ihrem Urlaub zurückgekehrt sind. Ein Großteil der Mannschaft redet weiterhin nicht mit ihm, was in Zeiten, da der Fußball den Teamgeist als Erfolgsmodell wiederentdeckt hat, eine besonders günstige Voraussetzung für eine gelungene Saison ist.

Marcelinho ist wie ein Kind: Er reizt seine Grenzen aus. Aber bei Hertha, mit der verständigen Mutter Falko Götz und dem nachsichtigen Vater Dieter Hoeneß, hat es für ihn nie eine Grenze gegeben. Er durfte sogar beinahe ungestraft ihren Lieblingssohn Arne verprügeln. Jetzt aber ist wirklich Schluss! So geht es nicht weiter! Und damit Marcelinho das endlich kapiert, kehrt er wohl zum Rückspiel gegen Moskau wieder in Herthas Kader zurück.

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