Sport : „Er wird alle überraschen“

Wie Albas Quadre Lollis mit dem Unfall seines Freundes Matej Mamic umgeht

Benedikt Voigt

Berlin - Es begann in Istanbul. „Wir haben Nächte vor der Playstation verbracht, manchmal bis sechs oder sieben Uhr morgens“, sagt Amerikaner Quadre Lollis von Alba Berlin. Damals, in der Saison 1999/2000, hat der Basketballprofi mit dem Kroaten Matej Mamic für Galatasaray Istanbul gespielt. Neben dem Amerikaner Ben Handlogten waren sie in dem türkischen Team die einzigen Ausländer. Eine Situation, die sie eng zusammengeschweißt hat. Nur die Kommunikation erwies sich als schwierig. „Mamic hat zu Saisonbeginn kein Englisch gesprochen“, berichtet Lollis, doch dieser Zustand habe nicht lange angehalten. „Am Ende hat er zu viel Englisch gesprochen“, berichtet Lollis.

Seit jenen Istanbuler Tagen ist der ruhige Quadre Lollis mit dem redefreudigen Matej Mamic eng befreundet. Umso härter hat den 32 Jahre alten Amerikaner der schwere Unfall seines Teamkollegen am vergangenen Samstag getroffen. Mamic erlitt im Bundesligaspiel gegen den TBB Trier eine Rückenmarksprellung. „Ich musste weinen, als er regungslos auf dem Boden lag“, sagt Lollis. Mamic wird im Unfallkrankenhaus Marzahn behandelt, inzwischen kann er wieder Arme und Beine bewegen. Gegenwärtig durchläuft er die Reha-Maßnahmen, weshalb der Verein die Besuche beim ihm einschränkt. Allerdings gilt dies nicht für seine engsten Freunde im Team: Jovo Stanojevic, Nenad Canak und Quadre Lollis besuchen ihn weiterhin regelmäßig. „Er macht jeden Tag neue Fortschritte“, berichtet Lollis, „er wird uns noch alle überraschen.“

Lollis glaubt an ein positives Ende, weshalb er selber auch wieder versucht, sich auf den Alltag zu konzentrieren. „Wir müssen weitermachen“, sagt Lollis, „Basketball ist unser Leben.“Am Samstag wartet auf sein Team das schwere Bundesligaspiel bei den Telekom Baskets Bonn (18.30 Uhr, live auf Premiere). Trainer Henrik Rödl hat im Training festgestellt, dass jeder Spieler anders auf den Unfall reagiert. „Bei Hollis Price merkt man, dass er gelernt hat, mit Unglücken umzugehen“, sagt Rödl. Der amerikanische Aufbauspieler hatte im August durch den Hurrikan Katrina sein Haus in New Orleans verloren.

Im Training ging es bereits am Donnerstagmittag wieder hart und intensiv zur Sache. „Das muss auch so sein“, sagt Lollis, „ein hartes Spiel braucht auch eine harte Vorbereitung.“ Seit viereinhalb Jahren hat Alba nicht mehr in der Bonner Hardtberghalle gewinnen können. „Dieses Spiel ist aufgrund der aktuellen Situation sehr wichtig für uns“, sagt Trainer Henrik Rödl. Sein Team muss versuchen, zur Normalität zurückzufinden. Bei der Niederlage am Dienstag im Uleb-Cup gegen Bree (87:91) ist das Alba erst in der zweiten Halbzeit gelungen. Für den sprunggewaltigen Lollis wartet heute eine besonders schwierige Aufgabe. Neben Mamic könnte auch Centerspieler Jovo Stanojevic fehlen. Der Serbe hat wegen einer Grippe nicht trainieren können. Fällt er aus, muss sich Power Forward Lollis, der mit zwei Metern ungewöhnlich klein für seine Position ist, noch intensiver um die Rebounds kümmern. Einer wird seine Leistung vor dem Fernseher mit großem Interesse verfolgen. „Matej Mamic hat jetzt Premiere auf seinem Zimmer“, sagt Harnisch.

Immer noch wundert sich Lollis über die Ereignisse des vergangenen Samstags. „Das war ein außergewöhnlicher Unfall“, sagt er. Während er zum Rebound startete, ist der fallende Mamic mit dem Kopf auf Bauchhöhe gegen ihn geprallt. „Der Kontakt war nicht heftig, ich habe ihn vor zwei Wochen im Training viel härter gefoult“, sagt Lollis. Doch die Folgen waren dramatisch.

Mamic lag bewegungslos auf dem Boden, trotzdem versuchte er bereits, seinen Freund zu trösten. „Er hat zu mir gesagt, dass ich nicht weinen soll“, berichtet Lollis, „da habe ich aufgehört.“ Das sei eben Mamic’ Art. „Er ist ein Soldat.“ Nun müssen auch Lollis und seine Kollegen wieder mit dem Kämpfen anfangen.

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